Kultur : Gott schläft

Kino: „In deinen Händen“ von Annette K. Olesen

Sarah-Mai Dang

Dass Gott uns geschaffen hat, befreit uns nicht von Verantwortung. So die simple, etwas unbeholfene Predigt der jungen Pfarrerin Anna, die sich einen schwierigen Arbeitsplatz ausgesucht hat: ein Frauengefängnis. Wohl fühlt sie sich nicht in der Rolle des moralischen Vorbilds, das Prostituierten, Drogendealern und Mörderinnen von Christus erzählen soll.

Auch wenn Gott uns unsere Fehler vergibt, müssen wir für sie geradestehen. Doch wie, das können wir nicht selbst entscheiden. Jedenfalls nicht in Annette K. Olesens Film „In deinen Händen“, in dem so ziemlich gar nichts in den Händen der Häftlinge, der Wärter oder der Theologin zu liegen scheint. Allesamt sind sie gefangen, ob sichtbar hinter verschlossenen Türen wie Kate oder unsichtbar in moralischen Schlingen wie Anna. Die beiden Frauen verbindet mehr als derselbe Ankunftstag im Gefängnis. Was, das deutet der Film zuerst nur an. Auch weshalb Kate verurteilt wurde, bleibt lange Zeit unklar und wird irgendwann auch unwichtig – bis Anna schwanger wird und sich alles ändert. Ihre Vorfreude wird schnell getrübt. Das lang ersehnte Kind könnte schwer behindert zur Welt kommen. Anna und ihr Freund stehen vor der Frage: abtreiben oder nicht?

Du sollst nicht töten. Glauben, Schuld und Verantwortung. Das sind die Themen, die der Film aufgreift. Näher diskutiert werden sie nicht. Sie bilden das Gitter, hinter dem Olesen die dramatische Geschichte inszeniert hat. Am Ende von „Forbrydelser“ – Verbrechen, so der Originaltitel – schließen sich die Stahltüren.

Das dänische Kino wende sich wieder tragischen Stoffen zu, so Co-Autor Kim Fupz Aakeson, um nach den „Feelgood-Movies“ der Neunziger wieder Filme „einer anderen Art“ zu machen. Filme einer anderen Art, das war auch das Ziel der Dogma-Bewegung. Mittlerweile haben sie sich als eigenes Genre etabliert, weshalb sich die Gründer vor zwei Jahren von ihrem 1995 verfassten Manifest verabschiedet haben. Dass Olesen zu Beginn von „In deinen Händen“ dennoch das Dogma-Zertifikat einblendet, ist verwunderlich. Denn der Film wurde zwar im Dogma-Stil gedreht – auch die dänischen Stars Ann Eleonora Jørgensen („Italienisch für Anfänger“) und Trine Dyrholm („Das Fest“) sind dabei –, doch gewinnt er keine neue Dimension wie einst „Idioten“. Wichtiger ist, warum Kate im Gefängnis sitzt und wie Anna sich entscheidet.

In Berlin im Kino in der Kulturbrauerei und in den Neuen Kant Kinos

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