Kultur : Grabeskühl

Jan Schulz-Ojala

Das Schönste an Festivals ist, wenn Filme auf ihnen regelrecht geboren werden. Das Schmerzhafteste: Wenn achtbare, womöglich hoch erwartete Projekte sich, entweder schwächliche Frühchen oder bombastisch überladen, sofort als nicht überlebensfähig erweisen. Pressekonferenzen nach solchen Premieren gleichen Beerdigungen, bei denen etwas zu feiern sein soll. Man spricht dann gerne über Technisches.

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Natürlich wurde bei der Pressekonferenz zu Dominik Grafs "Der Felsen" nicht nachweislich vor allem deshalb über Technisches gesprochen, weil der Film schon auf dem Festival gestorben wäre. Nein, man kann sich durchaus schicklich auch in überwiegend technischer Hinsicht über den "Felsen" unterhalten. So wurde das unruhige Gefühlsdrama, wie wir erfahren, erstens deshalb mit der DV-Kamera gedreht, weil es so billiger war (es gab nur Filmförderung aus Bayern, und die hätte für 35 mm nicht gereicht). Zweitens war DV aber, so sagte die Produzentin, für Graf zunächst "ein Drama", weil er sich ungern überraschen lässt. Drittens aber wollte Graf lauf Graf schon im "Skorpion" (1997) weg von den "großen Apparaten"; beim "Felsen", diesem "Experiment mit Ferienbildern", sei der Einsatz von DV überdies ästhetisch bündig gewesen und, als man die Technik endlich im Griff gehabt habe, viertens auch mit einem "Befreiungsgefühl" einher gegangen. Was, fünftens, die arg zertüftelte Bildersucherei vor allem im deutschen Film betreffe, sei man ganz froh gewesen, diesem "Tempelqualm" mit der schlichten DV-Technik a priori entronnen zu sein. Auch deshalb wohl wird Graf nun, sechstens, erst recht nicht zurückkehren zur großen Kamera, sondern den nächsten Film mit gleich zwei DV-Kameras drehen.

Ja. Technisch war die Pressekonferenz sehr ergiebig. Dominik Graf und auch sein Kameramann Benedict Neuenfels sprechen, auch dies sei nicht verschwiegen, sehr klug über ihren Film. Und doch war da eine Grabeskühle in allen Wörtern, den gesagten und den ungesagten.

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