Kultur : Grässlin Collection: Vom Eindruck zum Ausdruck

NK

Prinzip Collage: Was Albert Oehlen schon in seinen frühen Papierarbeiten vollendet beherrschte, gilt auch für die Sammlung Grässlin, in die seine drei hier abgebildeten Werke aus dem Jahr 1982 Eingang gefunden haben. Die Anfang der achtziger Jahre begründete Kollektion der Schwarzwälder Unternehmerfamilie zeichnet sich durch sozial kritische und ästhetisch unangepasste Kunst aus, für die ebenso Oehlens Gemälde wie auch die Werke seiner Künstlerfreunde Werner Büttner und Martin Kippenberger stehen. Entsprechend gab die ironische Bezeichnung eines Kippenberger-Bildes "Vom Eindruck zum Ausdruck" der nun in den Hamburger Deichtorhallen mit 160 Beispielen gezeigten Kollektion den Ausstellungstitel (bis 8. Juli; Katalog Hatje / Cantz Verlag 49 Mark). Die "Grässlin Collection" ist damit bereits die achte Privatsammlung, die seit 1991 auf den 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Schätze der Öffentlichkeit präsentieren kann. Doch so eindrucksvoll einzelne Environments etwa von Reinhard Mucha oder Cosima von Bonin sind, so wenig vermögen sie vom besonderen Flair der Sammlung an ihrem Ursprungsort im badischen St. Georgen zu vermitteln, wo sie in so genannten Schaufenster-Ausstellungen - platziert in den Auslagen ganz gewöhnlicher Ladenlokale - die Konfrontation mit dem Kleinstadtleben erfahren. Mit der Hamburger Schau ist die Großstadtkunst im Rahmen der Kreisbewegungen des Ausstellungsbetriebs zumindest gastweise wieder an einen Ort ihres Entstehens zurückgekehrt.

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