Kultur : "Gran Paradiso": Gute Menschen braucht das Land

Frank Noack

Beim besten deutschen Bergfilm, "Die weiße Hölle vom Piz Palü" (1929), kümmerte sich Arnold Fanck um die Natur, G. W. Pabst um die Menschen. Diese Lösung hätte man sich auch für "Gran Paradiso" gewünscht. Denn während die Regie ihre Schauspieler gewissenhaft führt, bleibt das Naturerlebnis auf der Strecke. "Gran Paradiso" ist ein Bergfilm ohne Berge.

Der Filmtheoretiker Siegfried Kracauer nannte die Bergfilme der zwanziger Jahre präfaschistisch - schließlich förderten sie das Bedürfnis, vom Gipfel auf die Masse hinabzublicken. Eine fragwürdige These, auch wohl autobiografisch bedingt: Kracauer hatte schon als Kind eine schwächliche Konstitution. Aber seine These wirkt fort - und man spürt bei "Gran Paradiso" die Bemühung, Heroismus zu vermeiden.

Der Film versammelt Gutmenschen. Die Physiotherapeutin Lisa (Regula Grauwiller) will dem gelähmten Mark (Ken Duken) den Lebensmut wiedergeben und organisiert eine Tour in den Alpen. Ein Sozialarbeiter stellt das Team zusammen: ein paar Knackis auf Freigang als Rollstuhlträger und zwei geistig Behinderte. Das Motto: Jeder kann es schaffen, wenn er nur will. Doch trotz ein paar guter Kammerspiel-Szenen: Wie direkt aus der "Lindenstraße" spazieren diese Figuren in ihr Gebirge.

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