Kultur : Granfaloon Bus im Knaack

H.P.DANIELS (DANIELS)

Gewohnt an notorisch verspätete Anfangszeiten im Knaack, kommt der Stammgast nicht vor 22 Uhr.Und hört am Dienstagabend nur noch das letzte Lied vom Kurzauftritt der Songschreiberin Susan James und ihrem etwas anstrengendem Gitarrengeschraddel über einem ewig gleich brummenden Grundton.Mit dichten Matten und Bärten, düsteren Mienen und dunklen Sonnenbrillen nimmt sodann das Duo Souled American auf Stühlen Platz, und ist für die nächste Dreiviertelstunde nicht mehr zu sehen.Zu hören ist eine Art Kiffer-Country mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zehn Sekunden pro gesungener Silbe und angeschlagenem Gitarrenakkord."Think, that is slow enough", sagt der Sänger.Stimmt.Das müssen die Nashville-Outsider Lambchop, die Entdecker der Langsamkeit, erst noch unterbieten.Der Gesang wimmert, die zweite Gitarre knötert verzerrte Baßlinien, und schließlich fragt man sich, ob einem Souled American in ihrer schläfrigen Wohnzimmerhaftigkeit nun die Cowboystiefel ausziehen oder ob ...ja, was eigentlich? "We had an awful good time", sagt der Sänger zum Abschied gelangweilt.Ja, sie hatten eine verdammt gute Zeit, da hat er wieder mal recht.

Granfaloon Bus - Headliner dieser US-Rocknacht der anderen Art - sind noch ziemlich jung, haben kurze Haare und einen blonden Gitarristen mit rotsamtenem Prinz-Eisenherz-Umhang und Totenköpfen über gekreuzten Knochen auf dem Gitarrengurt.Etwas schief und verstimmt klingt dieser Eisenherz-Knochen-Country, der immer haarscharf neben dem Punkt landet, und neben dem richtigen Ton.Darüber hinaus haben die Jungs ein gewisses Talent: Melodien, Wohlklang und jegliche Songstruktur zu vermeiden.Und so dilettieren, delirieren, lavieren sie sich in zwei Stunden durch 15 ruhige, episch ausufernde und bisweilen ergreifende songartige Gebilde.Strapaziöser Abend.

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