Kultur : Granteln über Glanz

Georg Ringsgwandl spielt bei den Wühlmäusen.

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Im gediegenen Theatersaal der Wühlmäuse eben noch die Frage, was er wohl heute bringt, der Ringsgwandl – Kabarett? Rockkonzert? Gekaspere? Ernstere Töne? Oder etwas zwischendrin? Leises Tuscheln, jetzt Zischeln auf der Bühne von einem Drummer. Brummen und Summen vom Moog Synthesizer eines Bassisten. Gläsernes Sirren einer elektrischen Gitarre. Und jetzt? Von rechts biegt sich gummiartig frech der schlaksige Körper des Georg Ringsgwandl ins Ensemble. Er klopft kräftig sparsame Akkorde in eine Gibson ES-335, die formidable Band funkelt funkig, und Ringsgwandl singt grantlig bayrisch über blöde Typen, die man besser gleich rausschmeißt. Und über den mangelnden Glanz im täglichen Leben. Darunter sind viele Songs vom neuen Album „Mehr Glanz“, die im Licht der Konzertbühne noch heller strahlen als in der Studioversion. Ein schönes Gequirle aus Blues, Soul, Jazz, Psychedelia, bayrischem Ländler, Country, karibischen Rhythmen und schmackeligem Funk. Und alles immer – wie bei Ringsgwandls vielleicht größtem Vorbild Bob Dylan – in scheinbar müheloser, und doch so schwer zu haltender Schwebe zwischen tiefer Melancholie und hohem Sprachwitz. Wobei Ringsgwandl sehr witzig aus den vielfältigen Möglichkeiten des bayrischen Dialekts schöpft. Wenn sich etwa die Vroni als „Vroneh“ reimt auf „verkehrsberuhigte Zoneh“ oder eine „Küchenwand“ auf „Neil Deiahmannt“. Die drei jungen Musiker „vo da besten Bennt“ begleiten den 64-jährigen Musiker mit offensichtlichem Spaß: Sebastian Flach zupft inspirierte Linien auf dem Kontrabass. Schlagzeuger Tommy Baldu kombiniert elegante Rhythmusfiguren zu scharfem Geklöppel und weichen Besen. Daniel Stelter spielt rasante Jazz- und Countrylicks auf einer alten Höfner-Gitarre. Nach zwei prallen Stunden noch mal ein Storchensprung und eine tiefe Verbiegung. Inzwischen ist Georg Ringsgwandl eindeutig mehr Musiker als Kabarettist. Wobei man die brillanten Zwischentexte von einst doch ein bisschen vermisst. H.P. Daniels

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