Kultur : Grass attackiert Habermas in Diskussion über „Kerneuropa“

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Günter Grass hat die von Jürgen Habermas vorgeschlagene Konzeption eines „Kerneuropa“ (siehe Tagesspiegel vom 29. Juni) kritisiert . „Davon halte ich nichts“, sagte er am Sonntag im Deutschlandfunk. Es sei zwar richtig, dass bei der „notgedrungen langsamen Bewegungsart Europas“ es gelegentlich bestimmter Anstöße bedarf. Diese könnten etwa von Frankreich und Deutschland gemeinsam kommen. „Aber das zu institutionalisieren, ein Kerneuropa als treibende Kraft zu sehen, halte ich für falsch.“ Er begrüße es, wenn im Zuge der Osterweiterung Europas neue Stimmen dazu kämen, auch wenn diese unbequem seien. So habe er Vorbehalte gegenüber der „kritiklosen Haltung“ Polens gegenüber der Irakpolitik der USA. Diese gründe in dem „Aberglauben“, es seien die Amerikaner gewesen, die Osteuropa befreit hätten. Er könne diese Loyalität zwar verstehen, glaube aber, sie würde zu einem „bösen Erwachen“ führen. Grass forderte ferner eine Stärkung der Kultur im Einigungsprozess. Die Kultur sei der „tragfähigste Bereich, um ein europäisches Verständnis zu entwickeln.“ Dazu bräuchte es eine „vollwertige Zuständigkeit“ für Kultur in der Brüsseler Kommission sowie eine feste Verankerung in der europäischen Verfassung. dpa

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