Kultur : Grass: Gegen Terror hilft nur gerechtere Welt

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Der Westen setzt nach Ansicht von Günter Grass bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus zu einseitig auf militärische und polizeiliche Maßnahmen. Dieses Vorgehen sei bislang „eher wenig erfolgreich“ gewesen, sagte der LiteraturNobelpreisträger in Lübeck. Er fürchte, dass nach den entsetzlichen Anschlägen von New York, Madrid und London weitere folgen werden. „Bis heute gibt es keinen ernsthaften Versuch, dem Terrorismus das Wasser abzugraben. Das hieße zum Beispiel, Willy Brandts NordSüd-Bericht aus dem Jahr 1977 ernst zu nehmen.“ Der darin kritisierte wachsende Gegensatz zwischen den Industrienationen und den Ländern der so genannten Dritten Welt müsse verringert werden.

Betroffen von Armut seien auch viele muslimische oder muslimisch bestimmte Staaten. Grass betonte, dass endlich eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung geschaffen werden müsse, so dass die ärmeren Staaten als gleichberechtigte Partner auftreten könnten. Die furchtbaren Terroranschläge seien durch nichts zu entschuldigen, betonte der Autor. „Wenn wir auf der anderen Seite sehen, wie bedenkenlos die Vereinigten Staaten von Amerika ihre militärischen Mittel mit angeblich zielgenauen Bomben einsetzen, und wir seit Jahr und Tag sehen, wie zumeist Zivilisten die Opfer sind, dann muss man sich nicht wundern, wenn Terroristen ihre nach wie vor fragwürdige Begründung aus dieser Tatsache heraus formulieren: ,Ihr nehmt ja auch keine Rücksicht auf Zivilisten, warum sollten wir es tun?’“. Dies sei eine Frage, über die man nachdenken müsse, wenn man nach einer Lösung für das Terrorismusproblem suche. dpa

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