„Graue Eminenz“ des deutschen Theaters : Ivan Nagel ist gestorben

Er galt als großer „Ermöglicher“. Der Theaterintendant, Schriftsteller und Kritiker Ivan Nagel ist am Ostermontag im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte der Suhrkamp Verlag am Dienstag mit.

1999: Ivan Nagel sitzt im Zuschauerraum des Hamburger Schauspielhauses, wo er kurz zuvor mit dem Kortner-Preis ausgezeichnet wurde.
1999: Ivan Nagel sitzt im Zuschauerraum des Hamburger Schauspielhauses, wo er kurz zuvor mit dem Kortner-Preis ausgezeichnet...Foto: dpa

Als „graue Eminenz“ des deutschen Theaters wurde er bezeichnet. Am Ostermontag ist der frühere Theaterintendant Ivan Nagel im Alter von 80 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte der Suhrkamp Verlag am Dienstag mit. Nagel galt als Erneuerer des Theaters. Er förderte Nachwuchstalente und bewies sich zugleich als fundierter Wissenschaftler und Forscher über die Geschichte der Bühnenkunst.

Der 1931 in Budapest geborene Nagel war von 1972 bis 1979 Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Von 1985 bis 1988 leitete er das Schauspiel an den Württembergischen Staatstheatern in Stuttgart. Nagel arbeitete mit Regisseuren und Schauspielern wie Rudolf Noelte, Claus Peymann, Peter Zadek, Will Quadflieg, Ulrich Wildgruber, Jerome Savary, Ute Lemper und Barbara Sukowa zusammen.

Bei den Salzburger Festspielen war Nagel Nachfolger von Peter Stein in der Schauspiel-Leitung, die er allerdings Ende 1998 nach nur einer Spielzeit wieder abgab. Nagel war aber nicht nur Intendant, sondern auch Theaterkritiker und Schriftsteller. Zuletzt lehrte er als Professor für Geschichte und Ästhetik der Darstellenden Künste an der Universität der Künste in Berlin.

Nagel schrieb politische Streitschriften und zahlreiche Bücher über Kunst und Theater, darunter „Autonomie und Gnade - Über Mozarts Opern“ und „Der Künstler als Kuppler - Goyas Nackte und Bekleidete Maja“. In seinen Essays zu Theater und Gesellschaftspolitik erwies er sich als Meister des scharfgeschliffenen Wortes. Dabei spielte sich Nagel, der rege am Berliner Kulturleben teilnahm, nie in den Vordergrund.

Nagel stammte aus einer jüdischen Familie und floh 1948 in die Schweiz. In den 50er Jahren studierte er Philosophie in Paris und Zürich sowie in Frankfurt/Main bei Theodor W. Adorno. Nagel gehörte zu jenen Namen am deutschen Theater, die Ende der 60er Jahre begannen, auf den Bühnen der Bundesrepublik personell und inhaltlich einen Generationswechsel durchzusetzen.

In Hamburg gründete er zum Abschluss seiner Intendantenzeit das Festival „Theater der Nationen“, das später zur Gründung der Festspiele „Theater der Welt“ führte. Den Berliner Kulturpolitikern empfahl Nagel seinerzeit, dem damaligen Theaterrebellen Frank Castorf die Leitung der Berliner Volksbühne zu übertragen.

Nagel selbst nannte einmal seine „vier Berufe als Kritiker, Dramaturg, Intendant und Bücherschreiber über Musik und Kunst“. Seit 2010 erscheint sein Gesamtwerk im Suhrkamp Verlag.

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