Kultur : Graumelierte Tristesse

"Die Sehnsüchte der Einzelzimmer werden mein Thema sein im Kontrast mit der Wucht des Meeres, dem Angeschwemmten, Unterirdischen", schreibt der Künstler Johannes Muggenthaler.Wäre seine Ausstellung so bildstark wie seine Absichtserklärung, wäre es eine schöne.Muggenthaler mag die Nachsaison der Urlaubsorte.Die Hotels sind leer, die Geschäfte geschlossen, die Straßen verwaist, die Sonne ist nebelverhangen.Und so belichtet er die Bänke entlang der Promenaden und Parkanlagen auf weichem, grenzauflösenden Papier.Daneben klebt sein Text.

Die Bänke sind aus grobgegossenem Beton und sehen aus als, habe man den S-förmigen Abschluß von Gefängnismauern zu Sitzgelegenheiten umfunktioniert.Sie erfüllen ihren Zweck, sind weder ansehnlich noch bequem.Muggenthaler dokumentiert die ästhetischen Vorstellungen unbenannter Stadtverwaltungen oder eine zynische Kunstidee für den öffentlichen Raum.Zusammen mit seinem Statement ergibt sich ein unprätentiöses Bild.Die Bänke könnten ebenso an der Ostsee stehen.Graumelierte Tristesse.In einem weiteren Raum zeigt er Plakate, deren Text aus Witzkarten stammt: "Grüße alle, kenne keinen", gibt der Ausstellung auch den Titel.Muggenthaler, der in seiner Biographie stolz dreizehn Stipendien aufzählt, ist den Klischees der Nachsaison völlig erlegen.Der erste Satz wird bleiben.Der Rest ist wiederkehrendes Thema in Zeitungsbeilagen und hätte da seinen Ort. ph

Galerie Wohnmaschine, Tucholskystraße 36, bis 6.April; Dienstag bis Freitag 14-19 Uhr, Sonnabend 12-17 Uhr.

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