Gregory Porter live in Neuhardenberg : Mmm, that's funky!

Jazzsänger Gregory Porter spielte mit seiner Band in der Schinkel-Kirche in Neuhardenberg und versprühte ganz viel Liebe - und Off-Beat.

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Gregory Porter, hier bei einem Konzert in den Niederlanden.
Der große Liebende: Gregory Porter, hier bei einem Konzert in den Niederlanden.Foto: dpa

Es gibt in Brandenburg ja so einige Orte, an denen man leicht den Blues bekommen kann. Das südliche Märkisch-Oderland gehört definitiv dazu, mit seinen reizlosen Landschaften, den menschenleeren Straßendörfern und den Nutten, die an der B1 hinter Müncheberg am Straßenrand auf Klappstühlen hocken. Am Sonntagabend allerdings wirkt die Gegend unerwartet einladend, nach den mittäglichen Regengüssen präsentiert sich der Himmel über Schloss Neuhardenberg wattewolkig – wodurch Gregory Porter dann doch alleine verantwortlich bleibt für die blue notes.

Der Sänger aus Bakersfield, California, ist raus aufs platte Land gekommen, als Gast von Heike Kramer, der neuen Generalbevollmächtigten für die kulturellen Aktivitäten auf dem einstigen Hardenberg’schen Adelssitz, der seit 2001 dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband gehört. Gregory Porter tritt in der kleinen Dorfkirche auf – was ein toller Luxus ist, ist er in den letzten Jahren doch zum Jazz-Superstar avanciert. Erst vor drei Wochen ließ sich der 1,90-Meter-Mann mit der Mütze in Berlin von mehreren tausend Fans bei einem Open-Air-Spektakel auf der Zitadelle Spandau feiern. Und jetzt passen hier keine 400 auf die protestantisch harten Bänke.

„Clap your hands now!“

„Wow!“, entfährt es Porter, als er die um den Altar herumgebaute Neuhardenberger Bühne betritt. Ein Kleinod ist dieses von Karl Friedrich Schinkel veredelte Gotteshaus mit dem azurblauen Sternenhimmel. Vor allem aber sind die Zuschauer ganz nahe dran an den Künstlern. Porter erzählt, dass er als Kind seine ersten Musikerfahrungen in der Kirche machte, mit sieben Jahren von der Klangmacht eines Gospelchores förmlich umgepustet wurde. Im Laufe seines 90-minütigen Auftritts wird er dann auch zwei Ausflüge in diese Stilrichtung machen. Zunächst aber will er – „Clap your hands now!“ – austesten, ob seine deutschen Besucher auch den Off-Beat beherrschen. Tun sie.

Wenn eine Jazznummer richtig abgehe, kommentierten Kenner das mit einem „Mmm, that’s funky!“, hat der Sänger neulich dem Magazin „Gentleman’s Quarterly“ erklärt. Dieses Kompliment will man Porter und seiner Band tatsächlich nach jeder Nummer machen: Der tiefenentspannte Bassist Jahmal Nichols, der obercoole Drummer Emanuel Harrold, der grimmig dreinschauende Pianist Chip Crawford und der ebenso virtuose wie bescheiden auftretende Saxofonist Yosuke Satoh zeigen zusammen mit Porter, wie das mit der Freiheit im Jazz funktioniert. Getrieben vom lustvollen Improvisationsfuror entfernen sie sich weit von den rundgeschliffenen Arrangements der CDs, stoßen vor in Regionen des tollen Krachs, vermögen den Sound aber auch ganz kleinzuzoomen, Momente intensiver Intimität zu schaffen.

Porter versprüht ganz viel Liebe

Wer darauf spekuliert hatte, den Sänger in Neuhardenberg unplugged zu erleben, sieht sich allerdings enttäuscht. Obwohl er den Kirchenraum mit seinem prachtvollen Bariton mühelos füllen könnte, knallt seine Stimme übertrieben laut durch die Verstärkeranlage, ebenso wie alle Instrumente. Schade.

Nach einer Stunde singt er „Hey Laura“, seinen größten Hit, den er in Berlin noch dem Publikum verweigerte – und atmet beim Schlusston der Ballade das allerletzte Sauerstoffmolekül ein. Denn nicht nur die Rhythmen sind heiß an diesem Sonntag: Schnell wird die rappelvolle Kirche zur Wärmestube, in der Porter an Pfarrers Statt den Leuten einheizt. Schließlich aber öffnen barmherzige Ordner doch die Seitentüren und die Gemeinde kann ohnmachtsfrei bei „Papa Was A Rolling Stone“ mitgehen und sich als erste der beiden Zugaben „When Love Was King“ erklatschen, Porters wohl schönsten, unmittelbar ans Herz greifenden Song vom Märchenland, in dem mit sanfter Hand die Liebe regiert.

Nächstes Konzert mit Jan Vogler & Friends. Am 8. August, 18 Uhr, Schinkel-Kirche. Infos: www.schlossneuhardenberg.de

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