Kultur : Grenzen der Stille

KATRIN BETTINA MÜLLER

"Die Vase gibt der Leere eine Form und die Musik der Stille", schrieb Georges Braque.Für Eduardo Chillida bringt dieses Zitat das Verhältnis zwischen Raum und Musik auf den Punkt.Der Satz des Malers gehört zu den 12 Aphorismen, die er von Philosophen, Dichtern und Musikern für eine "Hommage à Bach" ausgewählt hat.

Noch in keinem anderem Werk hat der baskische Bildhauer so pur mit der einfachen Linie, die das Unbezeichnete vom Bezeichneten trennt, gearbeitet, wie in den zwölf Graphiken der "Hommage".Den Notenketten der Partituren Bachs, die im Faksimile reproduziert werden, antwortet er mit von oben nach unten fließenden Linien.Der Fülle der Töne begegnet er mit Entleerung der Blätter: Ausgesparte Felder und Blindprägungen unterbrechen den Linienfluß und schieben die Markierungen an den Rand.Immer sparsamer werden die Konturen.

Mehr noch aber überrascht an dieser Arbeit das Gewicht, das Wort, Handschrift und Partitur einnehmen.Fast scheint es, als ob die verschwindenden Linien den Rückzug aus dem Material in die Bewegungen des Denkens vorbereiten.

Die Mappe, die im Sommer schon in der Galerie Nothelfer zu sehen war (Tagesspiegel vom 4.7.), wird im Kupferstichkabinett mit handschriftlichen Partituren Bachs aus der Staatsbibliothek ergänzt.Ein "Exkurs" stellt musikbezogene Arbeiten von Kokoschka, Hans Richter, Henri Matisse und Barnett Newman vor.Ganz überzeugend ist die Präsentation nicht, denn da stets nur wenige Blätter aus einem Zyklus zu sehen sind, wird man um die Dimension von Verlauf und Zeit gebracht, die erst den Bezug zur Musik stiftet.

Kupferstichkabinett, Kulturforum (Matthäikirchplatz), bis 29.November.Katalog 20 Mark.

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