Kultur : Griechischer Wein

Es ist ein deutsch-griechisches Jahr, oder? Zuerst die Verpflichtung von Otto Rehhagel als Trainer der griechischen Fußball-Nationalmannschaft, das war im August. Dann der Griechenland-Schwerpunkt bei der Frankfurter Buchmesse. Und jetzt hat, wie verschiedene Medien melden, der Hamburger Bürgermeister in spe Ole von Beust das Amt der Kultursenatorin, jenes Amt, das Nike Wagner nicht haben wollte, Vassiliky Papathanassiou angeboten. Frau Papathanassiou, 1952 geboren auf Korfu, lebt mit ihrem Mann, Enno Freiherr von Ruffin, und drei Kindern auf einem Gut in der Nähe von Hamburg. Sie kann sieben Sprachen, fährt gern Wasserski und steht, wie Nike Wagner, unter allen Sparten der Kultur der Musik wohl am nächsten. Die meisten kennen sie unter dem Künstlernamen Vicky Leandros.

Die Schwierigkeit, den Hamburger Kulturposten zu besetzen - in Berlin reißen sich die Kandidaten bekanntlich um diesen Stuhl -, hängt damit zusammen, dass die Koalition eine eher rechte ist - Schill! -, und dass es aus Gründen des Geschlechterproporzes unbedingt eine Frau sein soll, möglichst eine, die etwas her macht. Konservative Frauen mit Affinität zur Kultur, politischer Leidenschaft und ein bisschen Glamour sind offenbar eine seltene Spezies. Es fallen einem fast nur Uschi Glas und die Gräfin Pilati ein. Die eine ist für Hamburg zu bayrisch, die andere hat an anderer Stelle Aufbauarbeit zu leisten.

Die Interpretin von "Theo, wir fahrn nach Lodz", das mag nach Notlösung klingen - aber wer sagt, dass Vicky Leandros eine schlechte Kultursenatorin abgibt? Die Verbindung der Musik mit einer Karriere in der Kulturpolitik hat gerade in Griechenland eine erfolgreiche Tradition - Mikis Theodorakis, Melina Mercouri! Andererseits missionieren die Griechen seit Jahrzehnten geduldig die deutsche Kultur - Costa Cordalis, Demis Roussos, Nana Mouskouri!

Vicky im Kabinett, neben dem flotten Ole und dem leicht durchgeknallten Richter Gnadenlos - das gäbe der Hamburger Politik etwas Schillerndes, Trashiges und, zumindest aus feuilletonistischer Sicht, Attraktives. Die deutschen Konservativen haben sich generell dem politischen Pop viel zu lange verschlossen - wo ist ihr Ronald Reagan oder ihr Clint Eastwood? In den USA ist Pop ein weites Feld, in Deutschland ist Pop immer noch eher links. Es sieht in der CDU fast alles ernst und traurig aus. Wenn die CDU vom Ende der Spaßgesellschaft spricht, dann als Hoffnung. Denn die Musik spielt anderswo. Auch in Berlin wären bei der Wahl die Dinge für die CDU erfreulicher gelaufen, wenn man den Mut zum Schillern gehabt hätte. Vielleicht mit einer Person, die für den Ostteil hohe Ostkompetenz verkörpert, für den Westteil Multikulturalität, für beide Teile den Glauben an traditionelle Kulturwerte und gleichzeitig Unterhaltung. Er stammt aus Berlin, hat aber - hört, hört - inzwischen die griechische Staatsangehörigkeit. Jawohl, die Rede ist von Hans Rolf Rippert, genannt Iwan Rebroff.

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