Kultur : Grob gezeichnet

Peter Sauls böse Bilder bei VeneKlasen Werner.

Matthias Reichelt

Comicfiguren mit fratzenhaften Gesichtern, hervorspringenden Augen, knallbunt gemalt in Acryl und Öl, sind charakteristisch für Peter Saul. Er ist der brachiale Sarkast, der es versteht, seine Kritik an Konsumismus und US-Kultur auf schrille Szenen mit Anleihen aus Splatterfilmen und Verweisen auf die Kunstgeschichte herunterzubrechen.

Das Werk des 1934 in San Francisco geborenen Malers ist bislang nur selten in Deutschland gezeigt und hier noch nie mit einer Museumsausstellung gewürdigt worden. Verdient hätten es Sauls Bilder allemal – auch oder gerade, weil sie das Publikum polarisieren. Der echte Genuss der meisterhaft gemalten Werke setzt Humor und Kenntnis der Kunstgeschichte voraus. So zitiert Saul in „Rembrandt Duck“ (2012) das berühmte Bild „Geschlachtete Ochsen“ des Barockmalers und profanisiert es zugleich. Donald Duck, mit geöffnetem Leib zum Ausweiden aufgehängt, schaut komisch aus der Wäsche. Solche Referenzen finden sich zuhauf bei einem Künstler, der ab 1956 acht Jahre in Europa lebte und dort die Anerkennung des großen Surrealisten Roberto Matta erhielt.

Mit seinen expressiven, der Massenkultur entlehnten Sujets wurde Saul oft in einem Atemzug mit der Pop-Art genannt, obgleich er nie deren Faszination für die Warenästhetik teilte. Waren wirken in Sauls Bildkosmos eher wie Drogen und die Konsumenten wie Süchtige. In den 50er und 60er Jahren war die US-amerikanische Malerei vorwiegend in Abstrakten Expressionismus und Pop-Art gespalten. Saul konnte keinem von beiden zugeordnet werden. Von Beginn an verfolgte er eine narrative und an der politischen Aufklärung orientierte Tendenz. Seine Bilder wurden im Lauf der Zeit immer comichafter, plakativer und die Farben immer leuchtender. Sauls Kritik am Vietnamkrieg und an anderen imperialistischen Abenteuern der USA waren einer breiten Rezeption ebenfalls nicht förderlich. In drastischen Tableaus setzte er die militärische Gewalt der Army in Indochina in Szene. Jene mittleren bis großen Formate (100 000 $) und Papierarbeiten (20 000–30 000 $), die jetzt in der Galerie VeneKlasen Werner zu sehen sind, stammen aus den vergangenen zwei Jahren. Die Finanzkrise thematisiert Saul in dem sardonischen Bild „Wall Street Suicide“, auf dem sich ein Verlierer mit gleich zwei Pistolen das Hirn wegbläst. Dennoch quellen dem Selbstmörder Dollarnoten aus den Kleidern und machen das Drama zur Farce. Matthias Reichelt

Galerie VeneKlasen Werner, RudiDutschke-Str. 26; bis 29. 6., Di–Sa 11–18 Uhr

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