Kultur : Große Klappen, graue Hemden rappen in der Berliner Arena

Nadine Lange

"Vier, vier, vier", fordert die Halle. Die Fantastischen Vier haben schon gewonnen, bevor sie auch nur einen Reim gerappt haben. Verklärte Gesichter überall: Die ausverkaufte "Arena" bebt vor Freude darüber, dass die Schwaben-HipHopper nach vier Jahren wieder gemeinsam in Berlin zu erleben sind (von einem Undercover-Auftritt als "Terminal Team" im Frühjahr einmal abgesehen).

Ab den ersten Tönen gibt es auch am Rand der Halle nur noch Hüpfen, Winken und Singen. Smudo, Thomas D. und Hausmarke sind freundlich wie immer. Sie stehen - alle in denselben grauen Hemden - an der Rampe und erzählen von der Stadt, die es nicht gibt. Dezent im Hintergrund fährt Andi Y. die Samples ab. Zwischen den Songs halten sie mal ein kleines Schwätzchen oder weisen - Achtung, Ironie! - darauf hin, dass der 3. Oktober der Todestag von Franz-Josef Strauß ist. Unterstützt von einer vierköpfigen Band spielen die Fantastischen Vier relativ CD-getreue Versionen ihrer Songs. Das Programm setzt sich zum größten Teil aus den Titeln ihrer beiden letzten Alben "Lauschgift" und "4,99" zusammen, ihr Frühwerk haben die Vier zu einem Medley zusammengerafft. Besonders das relaxte "Le Smou" funktioniert live sehr gut, und beim "Krieger" mit den hypnotischen Trommeln driftet man sofort in Thomas D.s Traum von "Eins-Sein auf einer Welle" ab.

Macho-Geprotze und coole Rapper-Posen sind nicht das Ding der Stuttgarter: "Brauchen wir nicht diskutiern oder dumm gestikulieren, kabbeln will ich mich auch nicht, lau läuft nicht bei den Vieren," sprechsingt Smudo. Das Publikum ist einverstanden und gibt ihm mit Zeigefinger und Daumen ein "O". Sympathisch-Sein stellt für die Fantastischen Vier keinen Widerspruch zu HipHop dar. Man muss sie einfach mögen, wenn sie sich am Ende von "Michi Beck In Hell" in die Arme fallen. Und nach einer boygroupmäßigen Tanzeinlage fragt man sich wirklich, wieso die Konkurrenz aus Rödelheim immer die bösen Buben spielen muss. Freundlich gegrüßt wird natürlich auch noch, und die kleinen Jungs in den "MfG"-T-Shirts sind zufrieden.

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