Kultur : Große Koalition der deutschen Kabarettisten

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Konservative Regierungen waren für das deutsche Kabarett immer ein gefundenes Fressen. Doch auch die Reformpolitik von RotGrün lieferte stets Stoff für Spott und Satire. Dem Ausgang der Bundestagswahl sehen prominente Kabarettisten mit Gelassenheit entgegen: „Egal, wie es kommt - der Unterschied wird nicht groß sein“, ist die fast einhellige Meinung.

Dieter Hildebrandt (78), Deutschlands dienstältester aktiver Kabarettist, sieht „die im Hintergrund lauernde Gewissheit, dass es eine Fortsetzung mit anderen Mitteln gibt“. Ein Regierungswechsel werde „nahtlos“ sein. „Die Löcher bleiben ja. Wer will sie denn stopfen? Man kann schließlich nicht ein Loch mit einer Lücke stopfen.“ Ein gewisses Vergnügen kann Hildebrandt auch für den Fall nicht verbergen, dass es eine große Koalition geben könnte: „Ich würde mich nur freuen für die FDP – dann wären wir die mal vorübergehend los.“

Auch für Solo-Kabarettist Matthias Deutschmann sind die Unterschiede zwischen den Parteien „nicht mehr wie zu Adenauer- Zeiten“. „Das ist doch Ball paradox - die CDU ist heute auf dem linken Flügel linker als die Regierung“, meint der 46-Jährige. „Die kleinen und großen Parteien machen zweifellos viel Theater, verfügen aber auch nur in Ausnahmefällen über gute Schauspieler. Herr Schröder ist ein versierter Mime. Frau Merkel ist es nicht. Aber das kann ja noch kommen, denn Bundeskanzler ist ja ein Ausbildungsberuf.“

Kabarettist Horst Schroth würde einen Regierungswechsel heftig begrüßen. „Die Regierung würde ich lieber den ersten 300 Leuten aus dem Berliner Telefonbuch überlassen als denen, die jetzt dran sind“, lästert der 1948 geborene Ex-Wahlkämpfer für die Grünen. Ob er diesmal allerdings wählen geht, weiß er noch nicht: „Joschka Fischer ist der Beweis, dass sich mit Masse kein Vakuum füllen lässt“, meint Schroth. dpa

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