Kultur : Große Schmach

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Verführerisch lehnt das Mädchen an einer Säule. „Ich heiße nichtJulia“, klärt sie den jungen Bertram auf, der sie mit Briefen, Geschenken und Liedern umwirbt. „Diana heiße ich.“ Umso besser. So beginnt eine Liebesnacht, in der nicht Diana, sondern eine andere ihre Unschuld verlieren wird. Manch einem müssen die Augen verbunden werden, um nicht vom Schein geblendet zu sein. Der Innenhof der Klosterruine in Mitte wird in diesen Tagen zum Schauplatz eines amüsantenm Versteckspiels. Das siebenköpfige Ensemble der Berliner Shakespeare Company erspielt sich mit „Ende gut, alles gut“ eine nicht vorhandene Bühne, deren Hintergrund die alten Mauern der Ruine bilden. Ab und zu tauchen in den Fensterdurchbrüchen die Köpfe neugieriger Passanten auf, während für die Zuschauer Sitzkissen auf den Steintreppen bereit liegen. Die Komödie ist ein kleines, nur Kennern vertrautes Meisterwerk Shakespeares, in der ausgefeilten Poesie des Stückes mischen sich die Elemente des Spiels mit der Welt des Realen. Christian Banzhaf geht als Narr forsch auf eine Zuschauerin zu: „Oh, Jana, wann willst du mich heiraten?“ Banzhaf spielt den Narr mit überzeugender Geste, die schnell vom Triumphalen ins Erbärmliche stürzt. „Wäre gross mein Herz, Jetzt bräch‘ es!“ klagt er in der Stunde seiner größten Schmach. Bald taucht die einbrechende Dunkelheit die Szenerie in ein geheimnisvolles Licht. Auf den alten Mauern tanzen die Schatten von Kämpfern in Strumpfmasken (bis zum 23. August in der Klosterruine Berlin. Nächste Aufführung am 4. Juli, 20.30 Uhr. Ausserdem im Amphitheater Strausberg. Infos unter www.shake-berlin.de .) Dorte Huneke

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