Kultur : Großer Ekel, kleine Wirkung

LITERATUR

Tobias Lehmkuhl

Der Titel klingt vergnüglich. „Wenn Hunde aus einem fahrenden Auto starren“ , Untertitel: „Novellen im Zeitalter des Duftbaums“ ( Verlag Moderne Heimat, Hamburg, Lübeck 2004, 86 S., 15 €) sprühen zuweilen vor Witz. Und doch wird man dieses schmale Büchlein mit einem unguten Gefühl aus der Hand legen, es seltsam berührt zu vergessen suchen. Auf den ersten Blick handelt es sich um kulturkritische Aufsätze im Stil Eckhard Henscheids, angereichert mit Elementen der Pop-Literatur. Aber das Autorenduo Oliver Carlo Errichiello und Arnd Zschiesche ist von einem regelrechten Existenzekel beherrscht: Überall sehen die beiden die Uniformität einer werbeinduzierten Lebenswelt, die mediengelenkte Schablonenhaftigkeit sinnentleerter Oberflächlichkeit.

Sie selbst würden sich wahrscheinlich zu den Menschen zählen, „deren Träume zwischen Calgonit Protector Anti-Glaskorrisions-Spülmitteln und Quick-Tipp-Lottoscheinen zerstoben sind“. Deshalb begnügen sie sich fast resignativ damit, die Konsumgüter der Achtziger- und Neunzigerjahre vor Augen zu führen und den Individualitätsverlust eines gleichgeschalteten Geschmacks anzuprangern.

Die Wirkung ist erschreckend. Wie soll man sich noch verteidigen, wenn man die „Jacken, die alle trugen“ selbst als durchaus hübsch empfindet? Auch den Leser erfasst während der Lektüre der Ekel, vor der Welt, dem Leben, sich selbst. Vor der Beschränktheit und Absehbarkeit des Daseins. Hätte man das bieder-betuliche Vorwort von Björn Engholm überdies noch als Nachwort gelesen, es hätte einem wahrscheinlich den Rest gegeben.

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