Kultur : Großer Zapfenstreich

Jörg Königsdorf

Es ist überfällig, dem Namen dieser Kolumne Tribut zu zollen. Denn schließlich heißt sie seit einiger Zeit „Pauken und Trompeten“, mithin ist es eine Art Bringschuld, sie zu würdigen. Beziehungsweise, als Zeichen des guten Willens, zumindest ihre Artverwandten, solange bis tatsächlich eines der Pauken- und Trompetenkonzerte (Ja, die gibt es, sogar eines von Siegfried Matthus!) aufgeführt wird – oder wenigstens ein großer Zapfenstreich. Mit dem Motto „Hörner und Schlagzeug“ sind wir diesmal also so dicht am Titel wie noch nie: Nicht weniger als 14 Hörner nebst drei Schlagzeugern wird Marie-Luise Neunecker , selbst weltberühmte Hornistin und Professorin an der Hanns-Eisler-Musikhochschule, am Montagabend (20 Uhr) versammeln – mehr passen vermutlich nicht auf die Bühne des kleinen Konzerthaus -Saals. Horn satt also. Dass das Programm sich ausschließlich der Moderne widmet – in der zweiten Hälfte mit teils eigens für den Anlass geschriebenen Stücken des russischen Multihornisten Arkadi Shilkloper –, liegt natürlich auch daran, dass Neunecker sich seit jeher intensiv um die Erweiterung des Repertoires für ihr Instrument kümmert, die Werke, die etwa György Ligeti für sie komponierte, sind schon jetzt Klassiker.

Quantitatives Highlight des Abends ist die „Titanic“-Fantasie für zwölf Hörner, Pauke und Schlagzeug auf Motive des bekannten Films – eine Bearbeitung, die in Anbetracht der nautischen Bedeutung des Nebelhorns vielleicht gar nicht so abwegig ist. Etwas bescheidener (nur acht Hörner) gibt sich die für die Horngruppe der Berliner Philharmoniker geschriebene „Kind of Jazz Suite“ des Amerikaners Larry Porter, und damit die Schlagzeuger sich nicht von der Übermacht der Schalltrichter eingeschüchtert fühlen, kehrt das „Idyll for the Misbegotten“ für Horn und drei Schlagzeuger des Avantgarde-Klangmagiers Robert Crumb die Mengenverhältnisse auch einmal um.

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