Kultur : Großes Solo

„Monsieur Ibrahim“ im Schlossparktheater

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Zuerst denkt man sich: Nicht noch eine Geschichte, in der ein Moslem und ein Jude zusammenkommen – eine Utopie, die doch von der Realität in Nahost nahezu täglich aufs Neue eingerissen wird. Doch mit Eric-Emmanuel Schmitts „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ hat der frankophile Intendant Dieter Hallervorden etwas Zartes, Kleines für die letzte Saisonpremiere am Schlossparktheater ausgesucht, das nie kitschig wird. Regie führte Paul Bäcker, der den Text zusammen mit seiner Frau Annette auch ins Deutsche gebracht hat. Das Sujet ist bekannt: Schmitts Prosaparabel, die viele an eine moderne Fassung von Lessings „Nathan der Weise“ erinnert, war bereits 2002 im Ammann-Verlag zu Bestsellerehren gelangt.

Der Junge heißt eigentlich Moses, aber das hört sich für seinen väterlichen Freund, den Kolonialwarenhändler Monsieur Ibrahim, „zu groß an“. Also nennt er ihn Momo, zeigt ihm Paris – und dann, in seiner anatolischen Heimat, die Schönheiten des Islam, den Sufismus, die Derwische. Schließlich stirbt er, mit sich und dem Leben zufrieden, bei einem Autounfall. Es wird ein großer Theaterabend für Ilja Richter, der eine brillante Leistung abliefert.

Das Weise und das Kindliche verschmelzen bei ihm, die Gesten sitzen, und egal ob er die Augen weit aufreißt oder gütig zusammenkneift, nie wirkt irgend etwas übertrieben, immer ganz aus der Situation heraus entstanden. Obwohl die gesamte Bühne fast ihm gehört, spielt sich Richter nicht in den Vordergrund und hinterlässt gerade deshalb umso nachhaltiger Eindruck. Schade nur, dass Irina Wrona, die alle übrigen kleinen Rollen übernimmt, kaum eine Chance bekommt, sich zu profilieren und entbehrlich wirkt. Da hätte man es gleich bei einem Einschauspielerstück lassen können. Udo Badelt

Wieder am heutigen Sonnabend sowie am 21. und 28. Juni, jeweils 20 Uhr

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