Ground Zero : Gedenkstätte und Freiheitsturm

Viereinhalb Jahre sind seit den Anschlägen vom 11. September auf das World Trade Center vergangen, doch bis heute ist die Zukunft von Ground Zero nicht geklärt.

New York - Eigentlich ist längst beschlossen, dass die Gedenkstätte «Reflecting Absence» und das neue Hochhaus «Freedom Tower» gebaut werden sollen. Doch weder die Proteste der Angehörigen der 3000 Terroropfer um die Stätte des Erinnerns sind verstummt, noch ist die Verpachtung der Bauflächen endgültig unter Dach und Fach.

Anfang der Woche haben zwar erste Vorbereitungen für den Bau der Gedenkstätte begonnen, wann die Bagger am Ground Zero aber richtig loslegen können, steht einen Monat vor der geplanten Grundsteinlegung für den Freedom Tower in New York weiter in den Sternen.

Investor Larry Silverstein konnte sich mit den Eigentümern von Grund Zero - die Port Authority - bisher nicht über den Bau und die Verpachtung einigen. Die von Gouverneur George Pataki gesetzte Frist war in der Nacht zum Mittwoch verstrichen, ohne dass jetzt klar ist, wer die lukrativsten Teile des neuen World Trade Centers bauen darf. Jetzt droht die Verschiebung der Grundsteinlegung für den Freedom Tower.

Finanzierung unklar

Wie die Baukosten von mittlerweile sieben Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) finanziert werden, ist ebenfalls unklar. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte Pächter Silverstein schon vor Wochen vorgeworfen, dass es ihm nur ums Geld gehe. Der wollte die Gesamtkosten für den Freedom Tower und die weiteren vier Türme selbst aufbringen. Aus Versicherungsgeldern stünden ihm derzeit aber nur 2,9 Milliarden Dollar zur Verfügung. Bloomberg fürchtet, dass Silverstein deshalb bis 2010 das Geld ausgehen könnte und die Landeigentümer auf den Kosten der Fertigstellung sitzen bleiben würden. Trotzdem hätte Silverstein Millionen Gewinn gemacht, weil er nach dem Stand der Verhandlungen einen Nachlass auf seine Pacht bekäme.

An dem Bau des symbolträchtigen Freedom Towers - einem Entwurf des Architekten Daniel Libeskind - sei Silverstein nicht all zu sehr interessiert. Wegen der unattraktiven Höhe und abseitigen Lage ist das Hochhaus für Büroräume zahlungskräftiger Unternehmen ungeeignet. Den Bau des Towers, der einzeln 2,3 Milliarden Dollar kosten soll, könnte die Port Authority übernehmen, hieß es bei den Verhandlungen.

Die Hinterbliebenen lehnen den Entwurf ab

Bloomberg forderte im Konzept mehr Anreize, die das südliche Manhattan beleben. «Wir wollen keinen Platz bauen, den wir nicht brauchen. Wir brauchen ein Hotel, Wohnungen, und Läden.» Für eine neue Diskussion über die Gedenkstätte sieht er keine Zeit mehr. «Ich denke, die Zeit sich zu äußern war da und ist verstrichen. Jetzt sollten wir geschlossen hinter dem Entwurf stehen und die Gedenkstätte unterstützen». Das Design war aus über 5200 Einsendungen ausgewählt und beschlossen worden.

Zahlreiche Hinterbliebene lehnen den favorisierten Entwurf des Architekten Michael Arad Front weiter ab. Es sei würdelos, die Opfer 20 Meter unter der Erde zu ehren, wo Besucher auf Tafeln die Namen lesen könnten. «Ich möchte, dass die Gedenkstätte oben steht, wo sie lichterfüllt ist. Ich werde niemals unter die Erde gehen, um mich zu erinnern», sagte Rosaleen Tallon, die ihren damals 26-jährigen Bruder Sean, ein Feuerwehrmann, bei den Anschlägen verlor. Seit Tagen kampiert sie in einer Gruppe nachts am Ground Zero. Über eine Klage von Angehörigen, um den Bau zu stoppen, wird nicht vor nächster Woche entschieden. (Von Carla S. Reissman, dpa)

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