Kultur : Grüne Freunde

Eine Kunstausstellung in Dahlem zeigt Frösche

Cord Riechelmann

Am Anfang war das Tier: Schon die ersten von Menschen gemachten Bilder zeigten Tiere, als Farbe nahmen sie Tierblut. Und auch in Menschensprache und Denken war die erste Metapher ein Tier. Daraus folgt nicht viel weniger, als dass auch die Produktion von Kunst, „aus der Beziehung zu Tieren geboren wurde“, wie John Berger schrieb. Eine erstaunliche Renaissance erlebt das Tier derzeit als Gegenstand künstlerischer Produktion und kulturwissenschaftlicher Forschung. Warum das so ist, läßt sich nur schwer beantworten. Einfacher ist es zu fragen, wie Künstler mit dem Tier verfahren. Zum Beispiel mit dem Frosch.

Dem Frosch als Subjekt der Gegenwartskunst widmet sich derzeit die Galerie Kühn in Dahlem. Einmal im Jahr lädt die Galerie verschiedene Künstler zur monothematischen Beschäftigung mit einem Tier ein. Nach Ausstellungen über Kuh, Hase, Huhn, Insekt und Hirsch erwählten die Galeristen in diesem Jahr den Frosch – just zu der Jahreszeit, wo man die Amphibien auch in Berliner Sumpfgebieten antrifft. Herausgekommen ist ein Konvolut aus Zeichnungen, Ölbildern, Fotoprints, Skulpturen, einem Teppich und Objekten. Stilistisch ist die Frosch-Art reich an Zitaten auf Traditionen und Schulen der modernen Kunst vom Berliner Realismus bis zur Pop-Art. Kunsthandwerk ist auch dabei.

Das Ergebnis muss nicht immer grün sein, wie die von Horst Janssen schwarz lithographierte „Kröte Gustav“ (1957) zeigt. Konfrontiert man zum Beispiel die in Öl gemalten, in Paarungstellung sich umklammernden Frösche von Jens Heller mit den in Teppich geknüpften von Jean Jacques Ostier und sieht daneben die Laubfrosch-Radierungen von Mikio Waranabe, dann lässt sich nicht nur das Tier in der Wahrnehmung des Menschen vergleichen. Auch zeigen die Fotoarbeiten von Gloria Zein die Verzerrungen, die Märchen und Fabeln bis heute in die Wahrnehmung von Tieren bringen. Die Künstlerin arbeitet mit der Referenz des Märchens vom Froschkönig.

Die meisten Arbeiten lassen aber – bildlich gesprochen – den Frosch im Dorfteich. Eine Ausnahme sind die „Blechfrösche“ von Oliver Zabel. In einer Art biologischer Sammlung, die verschiedene Arten und Unterartenarten präsentiert, greift er das Thema der biologischen Hierachisierung durch die wissenschaftliche Systematik auf. Schon der Titel Blechfrösche läßt keinen Zweifel aufkommen, dass hier Ironie im Spiel ist. Die Frösche stört es nicht. Laubfrösche, Froschkönige, Blau- und Grünfrösche lächeln stoisch mit breitem Maul. Manche scheinen zu grinsen.

Galerie Kühn, Königin-Luise-Straße 48 (Dahlem). Di-Fr. 12 bis 19 Uhr, Sa. 12-15 Uhr. Bis 10. September.

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