• Grünen-Parteitag: Nicht mit Chaoten - Über eine schwarz-grüne Option in Baden-Württemberg wird auch auf dem Parteitag eifrig nachgedacht - nur nicht öffentlich

Kultur : Grünen-Parteitag: Nicht mit Chaoten - Über eine schwarz-grüne Option in Baden-Württemberg wird auch auf dem Parteitag eifrig nachgedacht - nur nicht öffentlich

Matthias Meisner

Soll das alles Zufall sein? Am 25. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt - und der Bundesparteitag findet deshalb in Stuttgart statt, um den Grünen Rückenwind für die Endphase des Wahlkampfes zu geben. Eine rothaarige Frau überreicht Dieter Salomon, dem Spitzenkandidaten der Südwest-Grünen, Boxhandschuhe. Schwarze Boxhandschuhe für den Grünen, nur ein Zufall?

Über mögliche Koalitionen nach der Landtagswahl wird auf diesem Parteitag nicht geredet - nicht im Plenum. Zu oft ist der Versuch gescheitert, in Baden-Württemberg, im grünen Stammland, Schwarz-Grün zu installieren. Schon Ende der 80er Jahre machten Spitzenpolitiker der Grünen im Land, unter ihnen der heutige Bundesvorsitzende Fritz Kuhn, Lothar Späths CDU Avancen. 1992 sondierte Erwin Teufel auch bei den Grünen - eine Koalition scheiterte damals an Teufel. Und 2001? Wird Teufel scheitern, wenn es die Möglichkeit gibt, eine schwarz-grüne Regierung zu bilden?

"Sandkastenspiele", sagt Teufel verächtlich. Er glaubt, dass schon die Andeutung einer solchen Alternative seine Partei Stimmen kosten würde. Und weiß doch, dass die Parteifreunde schon die Szenarien für den zu erwartenden Stimmeneinbruch der Union erarbeiten - und dass er dann keine Rolle mehr spielen wird. Günther Oettinger, der Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, meint, er selbst wäre ein guter Ministerpräsident. Und der grüne Fraktionschef Salomon wiederum deutet hinter vorgehaltener Hand an, dass er Oettinger ganz anders als Teufel für nicht borniert und für kulturell völlig offen hält.

Offen spricht das Thema kein Wahlkämpfer an. Höchstens der Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger, der im katholisch-schwarzen Oberschwaben für die Grünen Politik macht. Aus seiner Sicht würde ein schwarz-grünes Bündnis in einem Bundesland "den Marktwert der Grünen sofort erhöhen". Baden-Württembergs Grünen-Chef Andreas Braun, der eine Koalition aus CDU, Grünen und FDP vorschlug, haben die eigenen Leute zurückgepfiffen. Nett gedacht, hieß es, um einen Keil in die CDU zu treiben. Mehr nicht.

Rezzo Schlauch, Rechtsanwalt aus Stuttgart und Fraktionschef in Berlin, erklärt den Delegierten, warum Schwarz-Grün nicht klappt: "Wir Bündnisgrünen sind nicht nur die Partei der Ökologie, wir sind auch die Partei der Emanzipation." Er lobt die Selbstbestimmung als Leitwert für seine Partei. Und bringt zum Ausdruck, dass die CDU den politischen und kulturellen Aufbruch 1968 verschlafen hat. Die CDU? Oder nur Merz und Teufel? "Genug ist genug", das sagt Schlauch in seiner Rede über Teufel.

Die Hoffnung auf eine moderne CDU, ganz will sie auch Kuhn nicht verlieren. "Vom Kreuz des Erwin Teufel" wollten die Grünen "dieses schöne Land" befreien, sagt er. "Schwarze Chaoten", nennt er die Spitzenpolitiker der Union: "Warum sollen wir die durch schwarz-grüne Gedankenspiele hoffähig machen?" Aber Kuhn sagt auch einen Satz, der in Wahlkampfzeiten mehr als nichts ist: Schwarz-grün sei ein Modell "mit wenig oder ohne Realitätsgehalt".

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