Kultur : Grüner Parteitag: Der Organisator

r.r.

Als Kind wollte Reinhard Bütikofer Botschafter in China werden. Später studierte er in Heidelberg mancherlei, unter anderem Sinologie und natürlich Mao. Damit waren die Grundlagen gelegt für die Zukunft: Als finanzpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen in Baden-Württemberg arbeitete er sich von 1988 bis 1996 so erfolgreich ins Fachchinesisch ein, dass ihn der damalige Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder (CDU) als einzigen oppositionellen Gegenspieler akzeptierte und achtete. Sein diplomatisches Geschick muss der politische Bundesgeschäftsführer der Grünen nun am Wochenende beim Stuttgarter Parteitag unter Beweis stellen, vor allem beim Thema Castor-Transporte und Anti-Atom-Protest. Noch nie, sagt Bütikofer, sei ein Grünen-Parteitag so gut vorbereitet worden wie dieser. Das ist auch nötig, denn zwei Wochen vor den beiden Landtagswahlen im Südwesten verzichten die grünen Wahlkämpfer dankend darauf, dem politischen Gegner Anlass zu besorgten Anti-Gewalt-Appellen zu geben. Bütikofer ist im Vergleich zu Parteichef Fritz Kuhn nur mäßig eitel. Er ist ein Politik-Junkie - süchtig nach Neuigkeiten, Informationen, Hintergründen, die er in glänzend formulierte Welterklärungsmodelle und Strategien gießt, darin kongenial zu Kuhn, mit dem ihn seit Stuttgarter Tagen eine von Konkurrenz nicht freie, im ganzen aber erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet. Der 48-Jährige arbeitet bis zur körperlichen Erschöpfung und bisweilen, wie der Kollaps beim Bielefelder Parteitag zeigt, darüber hinaus. "Er ist schon wieder nahe dran", unkte Rezzo Schlauch dieser Tage.

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