Kultur : Gruftrock - Klagen mit Robert

H.P. Daniels

Lange war nicht mehr so eine riesige Versammlung in Komplettschwarz zu sehen. Echte Fans wollen aussehen wie ihr Idol Robert Smith, Vordenker von The Cure und seit etwa zwanzig Jahren Liebling aller Schwarzkittel. In der ausverkauften Arena, ein ruhiges klassisches Orchesterstück vom Band zum gemessenen Entrée der Akteure in Schwarz. Sogar Smiths Akustikgitarre ist schwarz. Dann, im blauen Licht, der erste schwarze Song: langsam, düster, elegisch. Gitarren, Keyboards, Bass und Schlagzeug türmen sich zu einer kompakten Klangwand. Schließlich Smiths Gesang: dunkel, klagend, weinend, aber nicht weinerlich. Durchdringend und einzigartig wie der komplette Sound dieser Band. Magisch. Hypnotisch. Berauschend. Babies in black. Die dunkle Variante des Pop. Verzerrte und klare Gitarren wiederholen ständig dieselben zwei, drei Harmonien, Klangfolgen, Riffs. Lassen ungeheuer dichte Soundgebilde entstehen: hämmernd, sägend, bohrend wie in einer Werkshalle. Dann wieder versöhnlich weich. Darin eingebettet Smiths einzigartige Stimme: so wimmernd und doch fest, selbstsicher, überzeugend. Jeder einzelne Ton stimmt. Smith und The Cure sind in Hochform. Makellos, perfekt und trotzdem voller Leidenschaft und Hingabe. Erneut hatte Robert Smith in den letzten Wochen verkündet, dass er endgültig genug habe vom Musikgeschäft, dass er nach dieser Tour aufhören werde. Sollte er diesmal tatsächlich Ernst machen, hätte er für The Cure keinen würdigeren Abschied zelebrieren können als mit dem hervorragenden neuen Album "Bloodflowers" und mit diesem dreistündigen Konzert. The Cure haben gespielt als wäre es das letzte Mal. Als wollten sie es nochmal allen zeigen. Und so wird man sie in bester Erinnerung behalten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar