Kultur : Günter Grass: Deutschland wirkt vergreist

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Als besonders auffälligen Eindruck seiner jüngsten Reise in osteuropäische Länder hat der Schriftsteller Günter Grass die Dominanz der vielen jungen Leute hervorgehoben. „Ob in Polen, Kaliningrad oder Litauen: das Straßenbild ist von jungen Menschen bestimmt. Gemessen daran wirkt Deutschland vergreist“, sagte der Literaturnobelpreisträger. Dieser gravierende Unterschied werde sich in Zukunft bemerkbar machen. „Viele Probleme und Problemchen, mit denen wir uns tagtäglich herumschlagen, ohne zu grundlegenden Reformen zu kommen, liegen daran, dass wir zwar einen Generationenvertrag haben, aber die nachfolgende Generation, die in diesen Ländern präsent ist, hier in hinreichender Zahl fehlt.“

Grass hatte Krakau, seine Heimatstadt Danzig, erstmals Königsberg (Kaliningrad) und anschließend Litauen besucht. In Königsberg kritisierte er, dass die bevorstehende 750Jahrfeier der Stadt nicht in der von den Stadtvätern gewünschten Form stattfinden könne – wegen Einspruchs aus Moskau: das Wort „Königsberg“ dürfe gar nicht fallen. „Das heißt also, dass die deutsche Geschichte tabuisiert wird. Dem habe ich widersprochen mit dem Argument, dass die junge Generation, die in Kaliningrad geboren ist, ein Recht auf die Geschichte ihrer Stadt hat.“ Weiter kritisierte Grass, dass jetzt nach St. Petersburg auch in Königsberg ein Denkmal für den U-Boot-Kommandanten Alexander Marinesko errichtet worden ist. Marinesko hatte 1945 das deutsche Schiff „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden Flüchtlingen, aber auch Marine-Rekruten an Bord versenken lassen. „Es war kein Kriegsverbrechen, aber es war auch keine Heldentat.“ dpa

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