Kultur : Güter, Gelder, Menschen

Daad-Galerie: Ausstellung von Bouchra Khalili.

Jennifer Lynn Erdelmeier
Gestrandet. Aus Bouchra Khalilis Fotoserie „Lost Boats“ (2012). Foto: Galerie Polaris, Paris
Gestrandet. Aus Bouchra Khalilis Fotoserie „Lost Boats“ (2012). Foto: Galerie Polaris, Paris

Rostige Container und versteckte Holzboote sind auf den großformatigen Fotografien zu sehen – und prompt fragt sich der Betrachter: Was wurde damit transportiert? Die Daad-Galerie zeigt neue Arbeiten der marokkanisch-französischen Videokünstlerin Bouchra Khalili, die sich den Hafenstädten Miami und Hamburg angenähert hat. Beide Orte sind Stätten des Transits für Güter, Gelder und Menschen. Ihre Fotoserie zeigt das Gelände des „Miami River Ports“, einer Zone für Schmuggler und illegale Einwanderer. Khalili fängt Spuren kubanischer Flüchtlinge ein, die in den USA gelandet sind. Detailaufnahmen zeigen Risse und Korrosionsspuren in den Containern.

Holzboote rotten vor sich hin. Dieser Ort ist Durchgang. Niemand bleibt zurück. Auch wenn die verlassenen Transportmittel stumm bleiben, sind sie Zeugen vom Widerstand der Menschen, die ihr Leben riskiert haben, um dem verhassten Regime zu entfliehen. Das Land hat sich politisch und wirtschaftlich immer noch nicht wirklich geöffnet. Die hässliche Fratze der Repression bestimmt weiterhin den kubanischen Alltag.

Khalilis Film „The Seaman“ widmet sich dem Hamburger Hafen und seinem Treiben bei Tag und bei Nacht. Container werden automatisch verladen, Kräne drehen sich, der Ort scheint menschenleer. Aus dem Off erzählt ein philippinischer Matrose von seinem Leben auf einem Containerschiff. Zwar werden durch ihn die teuren Güter verschifft, gleichwohl bleiben sie unerreichbar. Er leidet unter der Einsamkeit an Bord. Eingesperrt in die enge Welt des Transportschiffs, bleibt er von der Welt draußen ausgeschlossen. Jennifer Lynn Erdelmeier

Daad-Galerie, Zimmerstr. 90., bis 19. 5.; Mo bis Sa 11 – 18 Uhr.

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