Kultur : "Guggenheim" plant Neubau in New York

EVA SCHWEITZER

Das New Yorker Guggenheim-Museum will einen Neubau am Hudson River errichten lassen.Architekt soll der Amerikaner Frank O.Gehry aus sein, der bereits das Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao entworfen hat.Die Pläne wurden jetzt überraschend bekannt.Der Neubau soll auf dem Pier 40, einer alten Schiffsanlegestelle, errichtet werden.

Mit seiner Geheimhaltungspolitik - selbst nach der Veröffentlichung waren weder Architekt noch Museumsleitung bereit, Pläne oder Zeichnungen zu zeigen - hat das Museum sich möglicherweise eine Bärendienst erwiesen.Denn New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani, der von der Museumsleitung nicht informiert worden war und erst aus der "New York Times" von dem Vorhaben erfuhr, zeigte sich "extrem enttäuscht".Sein Bürochef verwies auf "ernsthafte rechtliche und praktische" Probleme, die zunächst gelöst werden müßten.

Eingefädelt hat das Vorhaben offenbar Peter B.Lewis, Vorsitzender der Guggenheim Foundation - der Trägerin des Museums -, der schon seit einiger Zeit dabei ist, die Finanzierung des Bauvorhabens zu organisieren.Der Hauptsitz des Guggenheim-Museum, von Frank Lloyd Wright in der Form einer weißen Spirale entworfen, liegt an der Fifth Avenue in der Upper East Side.Das privat geführte Museum der Moderne, neben dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art eines der großen Museen der Stadt, hat in den letzten sechs Jahren schon mehrere Depandancen errichtet.Am größten und bekanntesten ist der besagte Neubau in Bilbao, am Ufer des Flusses Nervión gelegen.Frank O.Gehrys spanisches Guggenheim rief die Begeisterung der Architekturkritiker hervor und ist ein großer Publikumserfolg.1997 wurde ebenfalls eine - allerdings sehr viel kleinere - Außenstelle in Berlin eröffnet, die Deutsche Guggenheim Berlin im Komplex der Deutschen Bank.Und schon seit sechs Jahren gibt es die Guggenheim-Depandance in SoHo in einem Altbau am unteren Broadway.

Vorerst herrscht Schweigen

Das Haus in SoHo wird vermutlich geschlossen, wenn das neue Museum am Hudson errichtet wird.Dieses neuerliche Gehry-Vorhaben wäre der erste große Museumsneubau in New York seit drei Jahrzehnten und das erste große Bauprojekt an der unteren Westseite seit über zehn Jahren.400 Millionen Mark soll es kosten, ein Teil des Geldes steht bereits zur Verfügung.In dem Haus auf Pier 40 sollen ein Gutteil der Ausstellungsstücke gezeigt werden, die bisher im - überquellenden - Depot lagern.Außerdem plant das Guggenheim, sein Programm auf Fotografie, Architektur und Videoinstallationen zu erweitern.

Die Stadtverwaltung hat mit dem ehemaligen Pier aber schon seit längerer Zeit andere Pläne: Ein Stadtteilpark für Chelsea und SoHo soll hier entstehen, als Teil eines Hudson-River-Parks an der gesamten Westside von Manhattan entlang.Ein städtebaulicher Wettbewerb dazu ist gerade abgeschlossen worden.Erschwerend kam hinzu, daß der Direktor des Guggenheim, Thomas Krens, zwar im Vorfeld mit dem Governeur des Staates New York, George Pataki, gesprochen hat, aber nicht mit Giuliani, der Pataki offenbar als Konkurrenten empfindet.

Praktisch gesehen, könnte das Museum ohne größere Probleme inmitten des Parks entstehen - die Pier 40 ist etwa sechs Hektar groß.Sie liegt, schwer zu erreichen und von der Stadt aus nicht zu sehen, hinter alten Fabrikhallen und einer Schnellstraße.Aber die ehemalige Schiffsanlegestelle ist derzeit als Industrieareal ausgewiesen und dient zudem als preiswerter Parkplatz für Anwohner.Zumindest müßte das Areal planungsrechtlich umgewidmet werden.Dazu wäre ein politischer Konsens über das Projekt vonnöten.Aber nicht nur die Stadtverwaltung, auch das Community Board, die Anwohnervertretung, ist skeptisch hinsichtlich der Museumspläne.Die Bewohnerorganisation, die an der gleichen Stelle schon einmal eine Stadtautobahn, den "Westside Highway", verhindert hatte, wäre ein entsprechend größerer Park auf dem alten Pier lieber, zu dem auch einige Baseballfelder und Sportanlagen für Schulkinder gehören sollen - kaum vereinbar mit einem Kunstmuseum.Das Guggenheim wirbt nun damit, daß der Neubau am Hudson allein in den ersten zwei Jahren der Stadt rund eine Milliarde Dollar an touristischen Ausgaben und Steuereinnahmen verschaffen werde, von den zusätzlichen Arbeitsplätzen ganz abgesehen.

Bis auf weiteres herrscht Schweigen.Die Museumsleute sagen nichts und in Gehrys Büro hieß es rigoros "no comment" - man könne noch nicht einmal sagen, wann man etwas sagen könne.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben