Kultur : Gummipuppen-Sex: "Du Idiotin, ich bestehe doch nur aus Gummi"

Frank Noack

Einfach zum Verlieben, diese Jennifer Tilly! Trotz ihrer Oscar-Nominierung für Woody Allens "Bullets Over Broadway" strebt sie nicht mit verbissenem Gesicht nach Höherem; statt dessen sucht sie sich ihre Rollen danach aus, wieviel Freude sie ihr bereiten. Vor B-Filmen hat sie keine Angst. Der Enthusiasmus, mit dem sie in der Horror-Komödie "Chucky und seine Braut" ein eiskaltes Flittchen verkörpert, ist allein schon den halben Eintritt wert. Als Gangsterliebchen Tiffany stakst sie im kurzen schwarzen Lederrock umher, macht sie sich mit einem langen Messer die Fingernägel - um mit demselben Messer einem Polizisten die Kehle zu durchtrennen. Der Polizist hat soeben die zerrissene Puppe Chucky aus der Asservatenkammer gestohlen. Horror-Fans wissen, dass Chucky eine furchterregende Puppe ist, besessen vom Geist eines psychopathischen Mörders. Normale Kinogänger wissen es wahrscheinlich nicht, denn dieser vierte "Chucky"-Film ist der erste, der nicht gleich auf dem Videomarkt landet. Wohl wegen Jennifer Tilly, aber auch der Rest kann sich sehen lassen. Hong Kong-Regisseur Ronny Yu liefert eine Reihe brillianter Bildkompositionen, die bei einem einfachen Genrefilm nicht üblich sind. Inhaltlich steht "Chucky und seine Braut" in der Tradition jener Road Movies, bei denen ein unschuldiges Paar von einem verdorbenen Paar gekidnappt wird. Das verdorbene Paar sind natürlich Chucky und Tiffany. "Hast du einen Gummi?" fragt sie ihn vor dem Sex. "Du Idiotin, ich bestehe doch nur aus Gummi". Eine große Überraschung: Ronny Yu bedient nicht nur die niederen Instinkte. Jennifer Tilly darf auch die Tragik einer Frau ausspielen, die sich nach mehr Zärtlichkeit sehnt, als Chucky ihr geben kann.In 13 Berliner Kinos, Originalfassung im Cinemaxx Potsdamer Platz.

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