Kultur : Gunst-Verständnis

CHRISTIAN HUTHER

Eine "neue Sicht auf Alte Meister" kündigt das Frankfurter Städel an.Denn das 1874 bis 1878 am Mainufer erbaute und später mehrfach erweiterte Museum war in den letzten Jahren in einem leidlichen Zustand: Die über dreißig Jahre alte Wandbespannung war grau und zerschlissen, düstere Kabinette schluckten Licht, eine Cafeteria gab es gleich gar nicht.Nun ist - "nach 581 Tagen Dunkelheit", wie das Städel gezählt hat - der erste Bauabschnitt der Renovierung unter Federführung des Architekten Jochem Jourdan beendet, und die im Depot verschwundenen Alten Meister kehren wieder in ihre Ausstellungsräume zurück.

Tatsächlich gibt es eine "neue Sicht" auf die Kunst des 14.bis 18.Jahrhundertes, wie das Städel versprach.Denn die kleinen dunklen Kabinette wurden entkernt und zu größeren hellen Räumen oder Sälen zusammengefaßt.Die recht niedrigen Decken zog man nach oben, so daß mehr Licht einfällt.Zugleich wurde die Hängung etwas ausgedünnt und verändert, um sich ganz auf die Glanzpunkte der Malerei zu konzentrieren.Nach rein ästhetischen Gesichtspunkten wurden die Wände farbig gestaltet: Die außenliegenden Kabinette sind in verschiedenen Grautönen gehalten, die Säle prunken mit Sienarot, Grün und Blaugrau.

Manches Gemälde erkennt man denn gar nicht wieder - dabei hat es nur seinen Platz und seine vertraute Nachbarschaft getauscht.Großzügigere Räume, gute Lichtverhältnisse, angenehme Wandfarben und neue Hängung - das alles macht einen erfrischenden Eindruck, aber die Situation des renovierten und umgebauten Hauses mit seiner Stilvielfalt der Bauten von 1874 bis 1878, 1921 und 1990 kann erst richtig beurteilt werden, wenn im Juli nächsten Jahres das Museum vollständig zugänglich ist.Dann steht das neue Konzept auf dem Prüfstand.

Während nun also die Spitzenstücke von Cranach über Dürer, Elsheimer, Grünewald, Rembrandt und van Eyck in neuem Licht erstrahlen, ist die Kunst des 19.und 20.Jahrhunderts im Depot verschwunden.Die Renovierung geht nämlich in diesem Gebäudeteil bis zum nächsten Sommer weiter.

Bis dahin soll auch die Cafeteria eingebaut und die Neugestaltung des Hauptfoyers abgeschlossen sein, um die sich derzeit vier Künstler (Maria Nordman, Ernst Caramelle, Georg Herold und Valerie Jaudan) unabhängig voneinander Gedanken machen.Die Finanzierung der vier Projekte indes ist bereits dank einer Spende in Höhe von einer halben Million Mark gesichert.So viel gab die Frankfurter Sparkasse an das Städel zu ihrem 175jährigen Jubiläum, die andere Hälfte erhielt das Museum für Moderne Kunst (MMK).Und ganz nebenbei teilte Städel-Direktor Herbert Beck bei dieser Gelegenheit mit, daß Städel und MMK künftig enger zusammenarbeiten wollen, etwa in Form von Ausstellungen der gemeinsamen Bestände zu bestimmten Themen.

Zurück zum Städel: Die Gesamtkosten der seit eineinhalb Jahren laufenden Renovierungs- und Umbaumaßnahmen betragen 22 Millionen Mark.Sie verteilen sich gleichmäßig auf Technik (Sicherheit und Klimakonzept), Brandschutz und Ästhetik.Der Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt steuern allerdings nichts dazu bei.Bisher trieb man 14 Millionen Mark allein durch Spenden von Banken, Versicherungen und Industriekonzernen auf, aber auch durch viele kleine Beiträge von Privatleuten.Acht Millionen Mark fehlen noch für die Aktion "Gunst-Sammlung"; nun will man verstärkt Sponsoren finden, die sich für einzelne Räume engagieren.

Am 4.Juli wird die Wiedereröffnung mit einem großen Abendfest gefeiert - auch da wird die Spendenbüchse herumgehen.Aber der letzte Teil ist bekanntlich der schwerste.Dennoch gibt sich Beck optimistisch.Dazu hat er allen Grund, ist doch das innerhalb von zwei Jahren erreichte Spendenergebnis schon enorm.Es gibt also noch gute Nachrichten aus der in Sachen Kultur arg gebeutelten Mainmetropole.Nun hofft Beck, daß die Spendierlust neuen Auftrieb erhält durch die Wiederkehr der Alten Meister.

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