Kultur : Gustaw Herling: Tagebuch in der Nacht - Zum Tod des polnischen Schrifstellers

Der polnische Erzähler und Essayist Gustaw Herling ist am Dienstag im Alter von 81 Jahren in seiner italienischen Wahlheimat Neapel gestorben. Das meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. Der Autor, der seit 45 Jahren in der süditalienischen Metropole lebte und mit einer Tochter des italienschen Philosophen Benedetto Croce verheiratet war, wurde vor allem durch seinen Lagerbericht "Welt ohne Erbarmen" von 1953 bekannt, worin er von seinen Aufenthalten im stalinistischen Gulag während des Zweiten Weltkriegs erzählte.

Herling war Mitbegründer der bedeutenden polnischen Zeitschrift "Kultura", die im Pariser Exil erschien. Lange Zeit war er dann deren italienischer Korrespondent, ehe er in den frühen 90er Jahren mit dem Blatt wegen dessen politischer Richtung brach. Der Schriftsteller hat neben seinem mehrbändigen Projekt "Tagebuch, bei Nacht geschrieben" auch viele Erzählungen verfasst, die wie "Das venezianische Porträt" oder "Pest in Neapel" häufig in seiner Wahlheimat spielen.

Nach der Wende wurde Herling in Polen wiederentdeckt, wo viele Einzelausgaben und eine zehnbändige Werkausgabe erschienen sind. Er erhielt 1990 den Preis des polnischen PEN-Clubs und die Ehrendoktorwürde zweier polnischer Universitäten. Der Schriftsteller hatte auch die Rückkehr in seine Heimat erwogen, was aber an sein gefährdeter Gesundheitszustand und die geringen Polnisch-Kenntnisse seiner Frau verhinderten.

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