Kultur : Gut abgehangen

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

die Weisheit und Kraft der Alten

Der Sänger Gino Sitson ist so etwas wie die Modernisierung von Bobby McFerrin mit multikulturellen Mitteln. Sitson verfügt über einen Stimmenumfang von vier Oktaven, seine Mutter ist selbst Sängerin und Chorleiterin. Er singt über seine Community in Kamerun, in seinem Song „BI NYAI“ geht es um die mündliche Überlieferung von Tradition und Geschichte. „Lass uns hören, was die Alten zu sagen haben“, das ist die Message. „Wwenn ein alter Mensch stirbt, ist es, als ob eine Bücherei brennt.“ Sitson hat in Paris studiert und lebt heute in New York. Sein Trio mit Piano und Bass klingt verschwenderisch, atemberaubend und stolz. Ob in „400 Years After“ oder in „Colored Man“ – die Folgen von Kolonialismus und Sklaverei sind Sitsons aktuelle Themen. Neben eigenen CDs wie „Song Zin´“ (Piranha) ist Sitson auch auf Alben mit Manu Dibango und Yousou N´Dour zu hören. Heute singt er mit seinem Trio im Quasimodo , 22 Uhr.

Komischerweise wirkt gerade der deutsche Jazz umso kurioser, je mehr man in der Geschichte wühlt. Der Jazzfilm „Präludium in Jazz“, der 1957 mit dem Mannheimer Pianisten Wolfgang Lauth als Kulturfilm gedreht wurde und damals als Vorfilm vor Marilyn Monroes „Der Prinz und die Tänzerin“ im Kino lief, gehört in dieses Genre. Gezeigt wird er in der Langen Jazznacht vom SWR , die am Samstag von 0.55 bis 6 Uhr läuft. Zudem sind Konzertausschnitte mit Arturo Sandoval, Ben Sidran und Dr. John zu sehen.

Dass das Quasimodo nach längerem Zaudern wieder zu seiner alten Stärke als der HauptstadtClub für internationale Jazzacts zurückgefunden hat, ist nur zu begrüßen. Zumindest in den nächsten Wochen gleicht das Quasimodo-Line-Up dem eines gut sortierten Mini-Festivals. Von Paolo Fresu (27.4.) über Archie Shepp (6.5.), Nils Landgren (7.5.), Roy Hargrove (8.5.), Ben Sidran (10.5.), Sarah Jane Morris (17.5.) bis hin zu Myra Melford (21.5.) und John Scofield (28.5.) stehen sie alle Schlange, um auf der historischen Kellerbühne zu spielen.

Am Osterwochenende kommt der Bluesmusiker Taj Mahal mit seinem Trio für drei Konzerte ins Quasimodo. Der Multiinstrumentalist macht dann hier wieder seinem Namen als praktisch orientierter Black Music-Forscher alle Ehre, Oldies wie „Ooh Poo Pah Do“ führt er auf ihre schwarzen Wurzeln zurück, Jazz-Klassiker wie Horace Silvers „Senor Blues“ interpretiert er soulful mit spanischem Akzent. Auch wenn der 60-jährige Mahal als einer der prominentesten Bluesmusiker der letzten zwanzig Jahre gilt, ist seine Musik überhaupt nicht auf dieses Genre begrenzbar. Er nahm mit indischen Musikern die Platte „Mumtaz Mahal“ auf, mit seiner Hula Blues Band spielte er hawaiische Musik . Morgen erscheint die CD „Taj Mahal Trio – Live Catch“ (Tradition&Moderne), die er mit seinem Trio im kalifornischen Club „Yoshi’s“ eingespielt hat. Von Samstag bis Montag im Quasimodo (jeweils 22 Uhr).

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