Kultur : Gut gekämpft

FRANK NOACK

Unter den Stars, deren Talent vorwiegend im Austeilen von Tritten und Schlägen besteht, ist Jean-Claude Van Damme eine ganz und gar erfreuliche Ausnahme. Er hat ein sanftes, ja, sympathisches Gesicht, und man glaubt ihm gern, daß er nur kämpft, um sich zu verteidigen. Wie schade, daß er es im Gegensatz zu seinem verschwiegenen Actionhelden-Pendant Arnold Schwarzenegger nie verstanden hat, talentierte Kräfte um sich zu versammeln. Die ersten fünfzehn Minuten seines neuesten Films "Der Legionär" sind eine Zumutung: Die Geschichte soll in den zwanziger Jahren spielen und ein Liebesdrama erzählen, doch nichts stimmt, alles ist Fassade, billigste Kulisse. Ein Glück nur, daß der unlängst verstorbene Großmeister Stanley Kubrick nicht mehr erleben muß, was sein "Full Metal Jacket"-Kameramann Doug Milsome hier angerichtet hat. Genauso hilflos ist die Regie von Peter MacDonald ausgefallen (hat schon für "Rambo III" verantwortlich gezeichnet).

Doch dann flieht Van Damme in die Fremdenlegion, und was er hier erlebt, ist beste Unterhaltung - wenn man so will: im positiven Sinne naiv. Die alte und immer wieder wirksame Geschichte einer nach und nach immer deutlicher dezimierten Gruppe von Männern, die sich gegen einen übermächtigen Feind zur Wehr setzen müssen, läßt den schwachen Einstieg vergessen. Am Ende wird es sogar noch politisch korrekt, denn nachdem wir mit den Legionären gegen die Araber gewesen sind, verkündet der Film auf einmal eine antikolonialistische Botschaft. Van Damme hat zwar für eine schlechte Sache gekämpft. Aber er hat gut gekämpft. Und darum lassen ihn die Araber am Leben.

Cinemaxx (Colosseum, Hohenschönhausen und Potsdamer Platz), CineStar (Hellersdorf und Tegel), UCI Kinowelt (Friedrichshain, Gropius Passagen, Le Prom, Zoo Palast), UFA (Kosmos, Royal)

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