Kultur : Gut laut

Zurück zum Krach: Eric Clapton in Berlin

H.P. Daniels

Beiläufig kommt Eric Clapton auf die Parkbühne in der Wuhlheide, fast unbemerkt, wäre da nicht der tosende Jubel tausender Fans. Er trägt Turnschuhe, Jeans und eine Art Regenjacke von unauffälliger Eleganz. Vermutlich eins von den sündhaft teuren Designerstücken, die er so liebt. Rubbelt die Hände unter den Achseln, grinst freundlich – klamme Finger. Wer hätte gedacht, dass es so kühl sein könnte im Juni. Erst mal warm spielen: „Pretending“. Clapton muss niemandem mehr etwas vormachen. Er ist so, wie er ist: Leidenschaftler für den Blues, dessen Veröffentlichungen in den letzten Jahren immer wieder mal etwas glattgebügelt trällerpoppig geraten snd. Sein Familienglück daheim, nicht unbedingt der pure Stoff für den Blues, hat der 61-jährige Gitarrengott ausgiebig auf „Back Home“ zelebriert, seinem jüngsten Album, einer Sammlung samtiger Soul- und Reggae-Songs.

Elf Mitmusiker – Rhythmusgruppe, Keyboards, Backgroundsängerinnen, Bläser – bilden eine massive Klangwand: sehr weiß, sehr glatt – keine Unebenheiten. Nur die beiden Gitarristen Doyle Bramhall und Derek Trucks, die Claptons Söhne sein könnten, hauen gelegentlich eine Schippe Dreck drauf, Rohputz. Clapton gibt ihnen Raum zu aufregenden Soloeskapaden. Lustiges Spiel: Augen zu und sagen, wer da gerade spielt. Jeder von ihnen hat seinen ganz eigenen, speziellen Ton, aber dann klingen sie plötzlich alle wie Clapton. Nur Clapton klingt noch ein bisschen mehr nach Clapton.

Auch auf der akustischen Gitarre, während eines Unplugged-Intermezzos im Sitzen. Seit der Zeit von Derek & The Dominos lieben die Fans den alten Jimmie-Cox-Blues „Nobody Knows You When You’re Down And Out“. Auch heute wieder. Und sie jubeln begeistert, während sehnsüchtige Bläsermelodien von der Bühne herüberwehen, wie von einem Mississippidampfer ans Ufer. Darüber schwebt ein bleicher Mond. „Let It Rain“, singt Clapton, aber die Wolkenwand hat sich verzogen, während die Gitarrenwand auf der Bühne die Dominos-Zeiten beschwört. Vor allem Derek Trucks erinnert mit seinem Slide-Spiel immer wieder an Claptons 1971 gestorbenen Freund, Mitmusiker und Inspirator Duane Allman.

Alles ganz schön so weit, wenn auch zwischendrin ins langweilig Gefällige gestreckt. Aber dann passiert am Ende doch noch etwas Sensationelles: „Layla“, der abgenudelte Klassiker, kommt in einer unerwartet furiosen Version von der Bühne gebrettert, hart und bissig, mit drei parallel schneidenden Gitarren. Und gleich noch „Cocaine“, ebenfalls längst totgeglaubt, hinterhergeprügelt: aggressiv und schön. Clapton nagelt wüste Töne in den Dämmerungshimmel und wird gesanglich zum Shouter. Danach: „Crossroads“, die alte Cream-Nummer, die einen noch mal sehnsüchtig an die Reunion von Clapton mit seinen alten Mitstreitern Ginger Baker und Jack Bruce vom Mai 2005 denken lässt. Das war dann aber doch noch ein anderes Kaliber.

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