Kultur : Gute deutsche Wertarbeit

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von Christiane Peitz

Was für eine Woche. Normalerweise drucken die Zeitungen im Juli ja Hundstagebücher. Gut gelaunt und leicht verschwitzt stürzt sich unsereins kopfüber ins Sommerloch zwischen Theaterferien und Parlamentspause. Gut, halb Deutschland hat Urlaubssperre und trainiert für den Wahlkampf – aber die aktuellen Hiobsbotschaften stammen aus anderen Quellen. VW in der Krise! Die ARD in Not! BavariaChef gekündigt! Sportchefs im Knast! Und Heidelberg hat es nicht auf die Unesco-Liste der WeltkulturerbeStätten geschafft. Die Philosophenstadt, der Golf als der Deutschen treuestes Gefährt, der „Tatort“ als unsere liebste TV-Kost, vom „Marienhof“ zu schweigen: Nichts ist mehr, was es war, nichts gilt mehr was. Die soliden Säulen der Nation, die gute deutsche Wertarbeit: alles Tinnef.

Gestern noch untadelig, heute unter Verdacht, besudelt, gefeuert. Allenthalben ist von Korruption und Gemauschel die Rede, von Schleichwerbung und Schmiergeld, Schattenwirtschaft und Herrenabenden. Wenn es wenigstens nur Einzelfälle wären. Aber nein: Das System Wolfsburg steht am Pranger, die Methode ARD – Bananenrepublik Deutschland. Heidelbergs Stadtvätern wurde übrigens bescheinigt, sie müssten noch nachbessern bei Schloss, Altstadt und lieblicher Landschaft. Anscheinend sind wir ein einig Volk von Image-Zerstören – und kein Unrechtsbewusstsein, nirgends. Wer glaubt, die Republik habe in diesen schweren reformpolitischen Tagen ohnehin nichts mehr zu verlieren, der irrt. Jetzt geht auch noch der letzte Rest vom guten Ruf den Bach runter.

Die Tüchtigkeit, auch so ein guter alter deutscher Wert, dürfte aus dem nationalen Tugendkatalog bis auf Weiteres gestrichen sein. Ob Autokonzern oder Öffentlich-Rechtlich, ob amüsierwillige Unternehmer oder schleichwerbende Fernsehproduzenten: Allemal geht es ums süße Leben, um Luxusreisen und Zuzahlungen – oder wenigstens um die bezahlte Fernsehkulisse vom Reisebüro. Wollen alle nur noch raus hier und rein ins Vergnügen? Statt Heidelberg hat die Unesco ausgerechnet den obergermanisch-rätischen Limes zur Weltkultur geadelt. Liebe Leute, haltet euch in Grenzen und bleibt auf dem Teppich. Was zählt, sind eure Bodendenkmäler.

Einzige halbwegs gute Nachricht der Woche: Der Kölner Dom bleibt auf der roten Liste der gefährdeten Weltkultur. Rotlicht für Deutschland: Kann die Unesco bitte auch noch VW und die ARD unter Artenschutz stellen?

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