Gute Suchmaschine? : Google: Das Tor zur Welt

Gegoogelt wird dauernd, überall und nach jedem: Superstars, Fremdwörter, Kochrezepte. Wir sind von der Suchmaschine abhängig. Doch der Wunsch nach einem transparenten und altruistischen Global Player ist naiv.

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38 Millionen Deutsche benutzen jeden Monat mindestens einmal das weiße Eingabefeld.
38 Millionen Deutsche benutzen jeden Monat mindestens einmal das weiße Eingabefeld.Foto: dpa

Neulich auf einer Party, anwesend waren Singles und Akademiker mit Niveau. Gegenstand des Gesprächs: immer Ärger mit der Waschmaschine. „Da hab’ ich einfach ‚Wäsche riecht muffig’ gegoogelt.“ Die Umstehenden nicken verständnisvoll. Es folgen Google-Anekdoten zum Thema Kühlschrankwasser, Kleidermotten, Fliesen schneiden. Tenor: Was wären wir ohne die Hilfe des großen Orakels.

Die Suchmaschine Google hat in Deutschland laut der Internetmarktforschungsfirma Comscore rund 96 Prozent Marktanteil. 38 Millionen Deutsche benutzen jeden Monat mindestens einmal das weiße Eingabefeld, das ergab eine repräsentative Studie des Medien- und Informationsunternehmens Nielsen, durchschnittlich verbringt jeder dieser Nutzer 75 Minuten pro Monat bei Google. Google selbst veröffentlicht keine länderspezifischen Zahlen. Nach eigenen Angaben bearbeitet das Unternehmen monatlich hundert Milliarden Anfragen weltweit – und nicht einmal in den USA hält es eine derart unangefochtene Monopolstellung wie in Europa. Google hat es geschafft, sich innerhalb von 14 Jahren mit einer bis dato völlig unbekannten Dienstleistung tief in die kulturelle Praxis der Gesellschaft einzugraben. Das Internet, genauer gesagt: das Leben bewältigt man mithilfe einer Suchmaschine.

Google - alle Geschäftsfelder des Internetriesen
ENERGIE: Mehr als 780 Millionen Euro hat das Unternehmen bereits in erneuerbare Energien investiert - in Solarfirmen, Windparks, Batteriehersteller oder Firmen, die sparsamere Autos oder Biokraftstoffe entwickeln. Allein 2011 nahm Google schon drei Projekte in Angriff: So will der Konzern weitere 102 Millionen Dollar in das Alta Wind Energy Center in Kalifornien investieren. Der Windpark, in dem schon 55 Millionen Dollar von Google stecken, soll einmal einer der größten der Welt werden. 280 Millionen Dollar sagte Google der kalifornischen Firma SolarCity zu, die Solar-Panel herstellt. Im April kaufte sich Google mit 3,5 Millionen Euro in einen Solarpark in Brandenburg an der Havel ein, der rund 5000 Haushalte versorgen soll. Der Gedanke, erneuerbare Energien zu unterstützen, spiele bei den Investitionen eine Rolle, sagte Technikchef Urs Hölzle dem "Handelsblatt". "Das Hauptmotiv ist jedoch kommerziell, wir wollen eine Rendite wie eine Investmentbank." Daneben geht es Google auch darum, die enormen Stromkosten für seine Rechenzentren zu senken.Alle Bilder anzeigen
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03.07.2011 00:08ENERGIE: Mehr als 780 Millionen Euro hat das Unternehmen bereits in erneuerbare Energien investiert - in Solarfirmen, Windparks,...

Die Google-Gesellschaft zeichnet sich aus durch eine Mischung aus Neugier und Ungeduld. Gegoogelt wird dauernd, überall und nach allem. Nach Fakten und Gerüchten, nach Waren und Dienstleistungen, nach Rechtschreibung, Adressen, Zitaten. Neuer Nachbar: googeln. Toter „Dschungelcamp“-Moderator: googeln. Mann, der aus dem All sprang: googeln. Antworten möchten wir bitte binnen Sekundenbruchteilen und in möglichst übersichtlichen, einfach rezipierbaren Formaten. Hat Google uns dieses Verhalten anerzogen? Oder haben umgekehrt Millionen begeisterter Nutzer die Differenzierung und Weiterentwicklung des Google’schen Algorithmus erst vorangetrieben? Wer hat da wen dressiert?

Die Frage lässt sich nicht mehr beantworten. Aber die Auswirkungen sind überall sichtbar. Googles Listen entscheiden längst über das Wohl und Weh ganzer Wirtschaftszweige; Online-Shops, Versandhäuser, Handwerksbetriebe, Reiseanbieter sind empfindlich abhängig vom amerikanischen Marktführer. Selbst die, die nichts verkaufen wollen, schielen auf die Ergebnislisten. Unternehmen, Politiker, Prominente, Kulturschaffende sorgen sich um ihre digitale Reputation, die wiederum deckungsgleich ist mit dem, was Google für die besten fünf Treffer hält. Es ist so banal wie dramatisch: Wo alle alles googeln, sind alle auf die eine oder andere Weise von Google abhängig.

Entsprechend allgegenwärtig sind die Anpassungsstrategien. Wer nicht direkt an Google Wegzoll zahlen will, um bei bestimmten Suchbegriffen mit einer Anzeige präsent zu sein, muss den mühsamen, indirekten Weg gehen. Suchmaschinenoptimierung heißt der kategorische Imperativ der digitalen Gesellschaft: Egal, was du darstellen, erzählen, zeigen, machen oder vertreiben willst – denk ans SEO, die ,Search Engine Optimization’! Der erste und wichtigste Adressat aller Inhalte ist immer die Suchmaschine. Denn sie entscheidet, worauf die Scheinwerfer der Aufmerksamkeit gerichtet werden, was aus dem Moloch Internet ans Licht der Öffentlichkeit kommt, was im Dunkeln bleibt.

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