Kultur : Guten Appetit!

Forum (3): Li Yings kulinarische Dokumentation „Aji“

Daniela Sannwald

Liebe geht, so wird behauptet, durch den Magen. Das Ehepaar Sato – er 72, sie 78 Jahre alt – scheint die lebendige Bestätigung dieser These: Seit 36 Jahren kochen die beiden zusammen, und zwar eine besonders feine Variante der ohnehin raffinierten chinesischen Küche. In der Provinz Shandong, wo Frau Sato aufgewachsen ist, gart man Shrimps mit winzig klein geschnittenen Gewürzen, stopft man Schweinemägen mit allerhand Gemüsen, gart sie und serviert sie später in Scheiben, und das Wichtigste dabei: Man verwendet weder Zucker noch Fett oder Geschmacksverstärker. Diese Art zu kochen hat Frau Sato in den Garküchen auf den Straßen gelernt. Als junges Mädchen guckte sie lieber in Töpfe, als zur Schule zu gehen. Die Kulturrevolution machten in den sechziger Jahren der Haute Cuisine ein Ende: Sie war nicht zweckmäßig genug.

Frau Sato ging in ihre japanische Heimat zurück und bewahrte und verfeinerte die Shandong-Küche zusammen mit ihrem Mann. Sie betreiben ein kleines Restaurant und geben, hoch verehrt von ihren Schülern, Kochkurse. Jetzt stehen sie kurz vor einer Chinareise: Man hat sie eingeladen, um die vergessene Tradition zu reimportieren.

„Aji“ erzählt vom Kochen, vom Essen und vor allem von einer lebenslangen Liebesgeschichte. Eine gemeinsame Leidenschaft scheint die beste Garantin für eine funktionierende Beziehung zu sein. Der Film nimmt sich Zeit, die Satos zu beobachten und ihnen zuzuhören: Mit einer langen Einstellung auf eine Flasche Schnaps, in der sich drei aufgerollte Vipern befinden, und einem Voice– over-Kommentar von Herrn Sato über die Köstlichkeit des Schlangenschnapses beginnt er, und es gibt mehr solcher Einstellungen, die uns vergessen lassen, dass es sich hier um einen Dokumentarfilm handelt. Die häusliche Umgebung der Satos – viele der Einrichtungsgegenstände sind Chinoiserien – ist in rot-gelbes Licht getaucht, ein Hort der Traditionen und Geborgenheit: der ideale Ort, um zu reflektieren, entspannen und genießen.

Nach ihrer Rückkehr aus China sitzt das Ehepaar friedlich auf einer Bank, und Herr Sato klagt über Schmerzen im Bein. Frau Sato hört eine Weile zu. Dann sagt sie bloß: „Lass uns nach Hause gehen und etwas essen.“

Heute 16 Uhr (Delphi), morgen 10 Uhr (Cinemax 3) und 22.30 Uhr (Arsenal), 13. 2. 16.30 Uhr (Cinestar 8)

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