Kultur : Guten Morgen, liebe Sorgen Schindhelms erster Tag als Stiftungsdirektor

Frederik Hanssen

Nein, sagt Michael Schindhelm, der Marathon-Typ sei er nicht. „Eher ein Spaziergänger, aber mit scharfem Schritt.“ Mächtig Tempo hat er an seinem ersten offiziellen Arbeitstag als Direktor der Berliner Opernstiftung tatsächlich vorgelegt – und dabei vermutlich an die 42195 Worte gesprochen. In der Komischen Oper fing der Parcours an. Dasselbe dann in der Staatsoper und beim Staatsballett, gefolgt von zwei Führungen durch die Werkstätten der beiden Mitte-Bühnen. Dass sein Antrittsbesuch bei der Deutschen Oper erst am Dienstag folgt, habe nichts zu sagen, betont Schindhelm: „Es war mir wichtig, dass Kirsten Harms dabei ist, die erst dann von einer Reise zurückkehrt.“

Der Herr Direktor will sich nicht als big boss präsentieren, sondern als Kollege. Kein Anzug also, sondern Jeans. Gerald Gnausch, Klarinettist im Orchester der Komischen Oper, hat das gut gefallen: „Er hat von sich erzählt, dass er ein Theatermann ist, kein Manager.“ Und er hat von „wir“ gesprochen, als es um die Stiftung ging. „Guten Tag sagen“, nennt Schindhelm das. Ein symbolischer Akt, der von den Mitarbeitern geschätzt wird. Schließlich wird der Stiftungsdirektor fortan vor allem mit den Leitungsteams der Häuser zu tun haben.

Ein Glamour-Typ ist der 44-Jährige ohnehin nicht. Mehr Glanz wünscht er sich eher für die Aufführungen – und da liegt in Berlin tatsächlich manches im Argen. Um die Stimmung zugunsten der Opernhäuser zu wenden, bräuchte es einen „New Deal“, findet Schindhelm – so wie ihn Präsident Roosevelt in den Dreißigerjahren realisiert hat: Rein wirtschaftlich brachte die Kampagne wenig, doch nach Jahren der Depression kam wieder Optimismus auf. Beim Deutschen Theater konnte man es jüngst beobachten: Ein, zwei Erfolge – und der Bann ist gebrochen. „Nichts“, so Schindhelm, „verkauft sich so gut wie das, was ausverkauft ist.“

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