Kultur : Guter Geist

Wissenschaftsrat hat neuen Chef und lobt die Zentren

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Ein Spezialist für die deutsche Literatur des Mittelalters, der Münchener Altgermanist Peter Strohschneider, ist der neue Vorsitzende des Wissenschaftsrats. Der 50-Jährige wurde von diesem Expertengremium, das Bund und Länder in Fragen der Wissenschaft berät und regelmäßig die Leistungen von Instituten evaluiert, am Freitag zum Nachfolger des Berliner Neurologen Karl Max Einhäupl gewählt. Einhäupl stand seit 2001 an der Spitze des Rats. Der 1955 in Stuttgart geborene Strohschneider forschte von 1992 bis 2002 an der TU Dresden. Danach wechselte er an die Uni München. Strohschneider interessiert sich besonders für die Theorie und Geschichte des mittelalterlichen höfischen Romans und für mentalitäts- und zivilisationsgeschichtliche Problemstellungen.

Noch unter Einhäupls Ägide hat der Wissenschaftsrat die Geisteswissenschaftlichen Zentren begutachtet – und kommt zu einem weitgehend positiven Ergebnis: Nur eines der bundesweit sechs Zentren, das Potsdamer Forschungszentrum europäische Aufklärung, solle nicht weiter gefördert werden.

Den drei Berliner Instituten – dem Zentrum Moderner Orient (ZMO) und den Zentren für Literaturforschung und Sprachwissenschaft – bescheinige das Gremium „hervorragende Arbeit“, teilte die Berliner Wissenschaftsverwaltung mit. Sie könnten nach dem Auslaufen der bisherigen Finanzierung 2007 an Universitäten oder an Wissenschaftsorganisationen angegliedert werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft solle sie in Zukunft als „Forschungskollegs“ ergänzend finanzieren. Das Land Berlin sichert den Zentren zu, die Grundfinanzierung wie bisher zu übernehmen.

Für das ZMO sehe der Wissenschaftsrat zwei Perspektiven, sagte Direktorin Ulrike Freitag: Es könnte an die FU angegliedert werden, solle dort aber „seine soziologisch-zeithistorische Perspektive“ bewahren. Daneben solle die Max-Planck-Gesellschaft prüfen, ob es das ZMO aufnehmen könne. Die Zukunft des Zentrums für Literaturforschung (ZfL) soll an der Freien oder Humboldt-Universität liegen. Das Potsdamer Institut für zeithistorische Forschung könnte von der Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen werden – eine Option, die sich auch das ZfL erhofft hatte. akü, -ry

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