Kultur : Haarfarbe Blond

Peter W. Jansen

In Erinnerung bleibt das Gesicht mit den deutlich akzentuierten Backenknochen. Ein Kinogesicht. In Erinnerung bleibt auch die helle Stimme mit dem leichten Wiener Tonfall. Winnie Markus, Tochter wohlhabender deutscher Eltern, wurde am 16. Mai 1921 in Prag geboren, als die Haarfarbe blond bald gefragt war im deutschen Film. Vielleicht hat sie, seit 1939 ("Mutterliebe") vor der Kamera, später deshalb so viel Wert darauf gelegt, nie ein Ufa-Star gewesen zu sein.

Sie hatte in Wien das Max-Reinhardt-Seminar besucht und dort auch ihr erstes Bühnenengagement. Dann zog es sie nach Berlin und galt den Berlinern bald als Einheimische: an Barlogs Schlossparktheater, am Renaissance-Theater, an der Komödie am Kurfürstendamm. In Glienicke hatte sie am 1. Mai 1945 eine verirrte Kugel ins Bein getroffen, im Berliner Volkstheater wurde sie vor knapp einem Jahr in Pavel Kohouts "Zyanid um Fünf" stürmisch gefeiert - zu ihrem 80. Geburstag.

Bürgerlich und blond, sittsam, charmant - bei ihr ging das bruchlos zusammen, in mehr als 50 Filmen, in vielen Fernseh- und Bühnenrollen. In Erinnerung bleiben ihre Sybille als eleganter Gegenentwurf zur Trümmerfrau in Käutners "In jenen Tagen" (1947) und der Engel Sabine in "Teufel in Seide" (1955). Auch privat brauchte sie manchmal die Energie und Zähigkeit ihrer Filmfiguren. Und die Disziplin, die das wie aus Marmor geprägte Gesicht unter der gepflegten Haut der Dame prägte. Am Freitag ist Winnie Markus im Alter von 80 Jahren in München gestorben.

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