Kultur : Hämmern, Schlagen, Reinhauen

Heimo Zobernig und Franz West in der Galerie Christian Nagel

Peter Herbstreuth

Die Gesetze des Journalismus gebieten es, Eigennamen nicht zu veralbern. Trotzdem mutieren Politiker in den Medien bisweilen zu Figuren aus der Comic-Familie der Ducks wie kürzlich der zum furchtbaren Dichter geschlagene Donald – Krach!, Bumm! – Rumsfeld. Auch als die Berliner Galerien Neu und Nagel in der temporären Kunsthalle INIT vor fünf Jahren eine Schau mit Jungkünstlern veranstalteten, hielten viele diese Kunst für nagelneu.

Jetzt haben die renommiertesten Künstler Österreichs, Heimo Zobernig und Franz West, in Christian Nagels Berliner Galerie die gemeinsame Ausstellung „der Nagel“ konzipiert und lassen jeden ins Abseits laufen, der meint, er könne die Ausstellung auf den Galeristen beziehen. Zu sehen ist eine Fußnote zur Kulturgeschichte des Nagels als Ding und Metapher. Es empfiehlt sich, die Bilder und Objekte mit dem untrüglichen Gefühl zwischen Heiterkeit und Spott anzuschauen, wie es einst ein Bildtitel von Martin Kippenberger vorgab: „Was ist der Unterschied zwischen Jesus und Casanova? Der Gesichtsausdruck beim Nageln“. In diesem Un-Sinne kommt die Ausstellung in den Blick. An einem Nagel lässt sich alles aufhängen.

Für eine Galerie sind Nägel so essenziell wie die Wand und das Telefon. Kurioserweise achten beide Künstler peinlich darauf, dass ihre Kooperation als getrenntes Ineinander erkennbar bleibt. Heimo Zobernig gestaltete ein scharf geschnittenes Etui aus weißem Styropor, in dem ein krummer Nagel aus braunem Pappmaché von Franz West eingebettet ist (65 000 Euro). An Nägeln hängen zwei Plakatentwürfe Wests hinter Glas (8000/10 000 Euro). Vor informellem Hintergrund kehrt eine Frau in Bikini einer Toilettenschüssel den Rücken und zwei Bären tanzen Arm in Arm vor einem Sofa. Im Büro hängt ein Quadrat mit vier schwarzen, aus einem weißem Kreuz herausstechenden Binnenquadraten (12 000 Euro). Der Subtext suggeriert den Nagel als „Dingeling“ wie der Rocker Chuck Berry sagen würde. Und da das Hämmern, Schlagen, Reinhauen einen Gewaltzusammenhang bekräftigt, gewinnen Zobernigs auf dem blanken Boden liegenden zergliederten Schaufenstermodelle, die je nach Blick zwischen Bellmer-Puppen und Delacroixs „Floß der Medusa“ changieren, eine grauslige Konsequenz (30 000 Euro). Wo nichts zusammenpasst, passt alles zusammen. Das macht die Schau so rätselhaft schön und zeitgemäß chaotisch.

Galerie Nagel, Weydinger Straße 2/4; bis 26. April, Dienstag bis Sonnabend 11–19 Uhr.

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