Kultur : Hände hoch, oder ich lächle

CARLA RHODE

Schon die ersten Szenen geben den Zuschauern das Gefühl, hier sei etwas ganz Besonderes zu erwarten.Kein Thriller der gewöhnlichen Art, sondern mehr als das: die Parodie wird höchst elegant gleich untergemischt.Jack Foley (George Clooney) nennt sich selbst einen professionellen Bankräuber.Auch an diesem Morgen geht er seinen Geschäften nach und betritt eine Bank, cool wie sonst keiner und ebenso überlegen, und charmant.Und mit einem bezaubernden Lächeln, dem bekannten George-Clooney-Lächeln eben, das die Kassiererin vollkommen widerstandslos macht.Sofort befolgt sie seine Anweisungen, ohne daß Foley plumpe Gewalt anwenden muß.So etwas hätte schließlich auch gar nicht zu ihm gepaßt! Die Sache geht trotzdem ziemlich überraschend auf jämmerliche Weise schief.Wir finden Foley im Gefängnis wieder, Fluchtpläne schmiedend.Daß auch sein Ausbruch nicht perfekt gelingt, überrascht dann schon weniger.Ausgerechnet eine Polizistin beobachtet, wie er mit seinen Kumpanen aus dem Fluchttunnel kriecht, er nimmt sie als Geisel und wird sie fortan nicht wieder los.

Der liebenswürdige Gangster Foley und der clevere weibliche Cop Karen Sisco (Jennifer Lopez) liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel wie in einer Screwball Comedy.Sie sind fasziniert voneinander, ohne es zuzugeben oder vielmehr zugeben zu dürfen, denn wenn die attraktive Karen sich Foley als Mann einfangen möchte, hat das Fangen hier ja noch eine andere Bedeutung: so toll sie als Liebespaar auch sind, so festgelegt sind sie doch auf ihre "Räuber-und-Gendarm"-Rollen.

Wie schon "Schnappt Shorty" (Regie: Barry Sonnenfeld) und "Jackie Brown" (Regie: Quentin Tarantiono) basiert auch "Out of Sight" auf einem Roman von Elmore Leonard, der als einer der führenden amerikanischen Krimi-Autoren gilt.Seine Stoffe bestechen durch Einfallsreichtum und pointierte Dialoge - , Karen und Foley liefern sich funkensprühende Rededuelle.Vor allem aber sind es die Charaktere, die die Zuschauer sofort für sich einnehmen, weil sie weitaus komplexer angelegt sind als in diesem Genre üblich.Nicht nur die beiden Hauptfiguren, auch Jack Foleys Kumpel Buddy (Ving Rhames) und eine Handvoll anderer kleiner oder größerer Ganoven sind, weil sie alle in gewisser Weise "beschädigt" und mit sehr menschlichen Ticks und Schwächen ausgestattet sind, überaus glaubwürdig.

Daß sie auch als Schauspieler-Ensemble vollkommen überzeugend sind, trägt zu der großen Qualität des Films bei, aber es ist nicht seine einzige.Mit Steven Soderbergh, von dem bei uns bisher nur sein "Kafka" - Film und "Sex, Lügen und Video" zu sehen waren, konnte ein Regisseur gewonnen werden, der den humoristischen Krimi-Stoff in eine elegante, flüssige Inszenierung umsetzt.Geschickt, dabei ein paar Irritationen durchaus in Kauf nehmend, werden die Rückblenden (Vorgeschichte, Haftzeit) montiert, wird die Handlung zu ihren Höhepunkten gelenkt.Wenn Karen und Jack, in einem Kofferraum zusammengesperrt, einen small talk über ihre Lieblingsfilme beginnen, ist das einfach hinreißend, ebenso ihre vor Erotik nur so spühende große Liebesszene in einem Hotel in Detroit.Die zärtliche, wohlig-warme Stimmung korrespondiert mit der nächtlich bunt erleuchteten Stadt und den sanft herabfallenden Schneeflocken.Viel mehr ließe sich noch erzählen von diesem makellosen Film, von seinem betörenden Schick und der von den siebziger Jahren inspirierten Musik des Iren David Holmes.Aber sehen und hören Sie doch selbst!

In 19 Berliner Kinos, OmU im Babylon und Odeon

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