Kultur : Hallo Nachbarn!

Daniela Sannwald

Ein bisschen Polanski, ein bisschen Hitchcock und Almodóvar, ein paar Tropfen Splatter, eine Riege skurriler Figuren und eine starke Hauptdarstellerin: Davon lebt dieser spanische Thriller, der auch Comedy-, Horror- und Action-Elemente enthält. Regisseur Alex de la Iglesia bedient leider etwas zu viele Genres - dafür konzentriert er sich jedoch auf einen einzigen, schön beklemmenden Schauplatz.

Alles beginnt mit einer elegant möblierten Altbau-Wohnung im Zentrum Madrids, für deren Vermietung die Maklerin Julia (Carmen Maura) zuständig ist. Bei der ersten Besichtigung stellt Julia fest, dass ihr das Interieur selbst gut gefällt und lädt ihren Lebensgefährten zu einem Diner bei Kerzenlicht dorthin ein. Der findet keinen Gefallen an dem Spiel, Julia aber träumt vom Luxusleben - und findet prompt in einem Versteck 300 Millionen Peseten.

Aber auch die anderen Hausbewohner sind seit langem scharf auf den Toto-Gewinn, den ein endlich verstorbener Alter im obersten Stock versteckt hatte. Und sie scheuen keine Mittel, ihn Julia wieder zu entreißen. Bald gerät Julia in einen Belagerungszustand, aus dem ein tapferer Jedi-Ritter sie schließlich befreit.

Gemütlich und gediegen wirkt das alte Stadthaus, in dem die Gemeinschaft von Nachbarn - "la comunidad" - ihre Augen und Ohren überall hat. Doch das Gemütlich-Gemeinsame kann sehr, sehr gruselig sein. Am Ende springt die dauerverfolgte Julia im engen, rosa Schößchen-Kostüm von Dach zu Dach - eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs.

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