Kultur : Haltlos

NAME

JAZZ

Es ist eine Geschichte, so traurig, dass man sie am liebsten für sich behalten würde. Freddie Hubbard heißt ihr Protagonist: ein Jazz-Trompeter, dessen Karriere zeigt, wie nah Musik und Leistungssport beieinander liegen. Schneller, höher, lauter spielte er als die Konkurrenz, und dass er mit drei verschobenen Akzenten eine ganze Band ankurbeln konnte, machte Hubbard zu einem Trompeten-Koloss, den lange niemand erreichte. Aber irgendwann war der Körper am Ende. Als Musikinvalide, dessen Lippe taub geworden war, zog er sich zurück – und wagt nun im Audi Forum doch ein Comeback. Doch es ist ein Drama. Nicht nur, dass Hubbard seine Kompositionen von acht talentierten New Yorkern spielen lässt, die ihm alle Arbeit abnehmen. Bei den Melodien hält er sich ganz raus, seine Kraft reicht nur noch für kurze Soli. Sehen kann man ihn noch immer, wie er in der Luft jeden Akzent mittrommelt, wie er die Melodien mitbrüllt. Erst wenn ihn vor Aufregung nichts mehr halten kann, reißt er das Flügelhorn hoch. Was man dann hört: Kiekser, die im Ventil stecken bleiben, verkümmerte Linien. Auf Hubbards Gesicht liegt danach, sagen wir: das Grauen. Warum tut er sich das an? Johannes Völz

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben