Hamburg : Kultursenatorin von Welck tritt zurück

Die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck hat am Sonntag gemeinsam mit Bürgermeister Ole von Beust ihren Rücktritt erklärt. Aufgrund der zunehmenden Finanznot wurde ihr Agieren immer unpopulärer.

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Die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck tritt zurück.
Die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck tritt zurück.Foto: dpa

Als sie kam, galt sie als Hoffnungsträgerin. Karin von Welck hatte sich zuvor als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder einen Namen gemacht. Die kleine, feine Förderbehörde mit Sitz am Berliner Lützowplatz, die sich vor allem um Kunstankäufe für deutsche Museen kümmert, lebt von der richtigen Mischung aus Diskretion und repräsentativem Auftritt, von guten Kontakten zu den Institutionen und der spürbaren Liebe zur Kultur. Karin von Welck, mit ihrem liebenswürdigen, leicht mütterlichen Auftreten, verkörperte diese Rolle perfekt. Es war ein Traumjob. Und eine Traumbesetzung.

Als 2004 dann der Ruf nach Hamburg kam, von Ole von Beust persönlich, machte sich in der Hansestadt Erleichterung breit. Hamburg hatte unter Karin von Welcks Vorgängerin, der schrillen Ex-„Bild“-Reporterin Dana Horáková, turbulente Zeiten erlebt. Nun schien die konservative, kulturpolitisch bestens vernetzte und parteipolitisch nicht gebundene Rheinländerin für die traditionsbewusste Stadt Hamburg eine Idealbesetzung. Eine Ansprechpartnerin für die ziemlich verwaiste Kulturszene. Und eine beherzte Werberin für künftige Mäzene und Sponsoren.

Doch bald gab es erste Irritationen. 2008 hatte am Hamburger Schauspielhaus Volker Loeschs Stück „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?“ Premiere. In dem Stück verliest ein Chor von Hartz-IV-Empfängern eine Liste mit Namen und geschätztem Vermögen der reichsten 30 Hamburger. Karin von Welck protestierte in einem offenen Brief. Offenbar hatte sie vom Intendanten des Schauspielhauses, Friedrich Schirmer, schon vor der Premiere eine Entschärfung verlangt. Schirmer sprach daraufhin von Zensur.

Mit zunehmender Finanznot wurde Karin von Welcks Agieren in den letzten Jahren immer unglücklicher – und der Protest aus der Kunstszene immer lauter. Nicht nur, dass Hamburgs Künstler um die Galionsfigur Daniel Richter erfolgreich gegen die Übernahme des historischen Gängeviertels durch Investoren protestierten. Auch die renommierte Hamburger Kunsthalle, die dank eines höchst ungünstigen Stiftungsmodells immer mehr ins Schlingern geriet, stand in diesem Sommer kurz davor, monatelang ganz geschlossen zu werden – angeblich wegen mangelnder Brandschutzvorrichtungen. In Wahrheit wollte man wohl die fehlenden Etatsummen einsparen. Mit einer Menschenkette protestierten die Hamburger schließlich für ihr Museum.

Doch das größte Debakel auch für die Kultursenatorin wurde die ursprünglich als Prestigeprojekt angekündigte Elbphilharmonie. Die öffentlichen Kosten für den auf einem ehemaligen Speicher gelegenen, architektonisch spektakulären Konzertsaal der Schweizer Stararchitekten Herzog und de Meuron hatten sich zuletzt verdreifacht, auf 323 Millionen Euro. Inzwischen beschäftigt der Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem Baukonzern Hochtief die Gerichte, der Eröffnungstermin wurde immer wieder verschoben.

Am Sonntag hat die 63-jährige Senatorin, der man schon seit längerem nachsagt, dass ihr das Amt über den Kopf gewachsen sei, gemeinsam mit Bürgermeister Ole von Beust ihren Rücktritt erklärt. Joachim Lux, der Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, äußert sich bedauernd. Die Senatorin sei für Dinge verantwortlich gemacht worden, für die sie nichts könne. „Das ist die Schere zwischen den kulturpolitischen Absichten der Hansestadt Hamburg und dem, was an ökonomischen Grundmitteln zur Verfügung gestellt wird. Diese Schere kann niemand letztendlich schließen“, sagte er.

Inzwischen wird in Hamburg auch spekuliert, den Posten der Kultursenatorin ganz einzusparen und das Ressort nach dem Berliner Vorbild gleich in der Senatskanzlei anzusiedeln. Was sich in Berlin, dank des personellen Zusammenspiels des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit und seines Kulturstaatssekretärs André Schmitz, als einigermaßen glückliche Lösung erwiesen hat, muss nicht unbedingt auch woanders funktionieren.

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