Hamburg : Weltkulturerbe für jüdischen Friedhof?

Hamburg strebt für den historischen jüdischen Friedhof im Stadtteil Altona den Unesco-Welterbetitel an. Das zu Beginn des 17. Jahrhunderts angelegte Gräberfeld gleich hinter der Reeperbahn gilt als einer der bedeutendsten jüdischen Friedhöfe der Welt.

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Der jüdische Friedhof in Hamburg-Altona zählt zu den bedeutendsten der Welt. -Foto: dpa

Hamburg"Der jüdische Friedhof ist ein einzigartiges Archiv aus Stein, ein Zeugnis über die jüdische Geschichte in unserer Stadt", sagte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) bei der Wiedereröffnung des Friedhofs, der jetzt an drei Tagen in der Woche für Besucher zugänglich ist. Hamburg wolle sich dafür einsetzen, dass der Friedhof gemeinsam mit zwei weiteren jüdischen Begräbnisstätten in Amsterdam und Curacao den Status als Weltkulturerbe erhält.

"Es gibt zur Zeit so viele deutsche Anträge zum Weltkulturerbe. Deshalb halten wir eine Bewerbung zusammen mit anderen portugiesisch-jüdischen Friedhöfen am aussichtsreichsten", sagte Kultursenatorin Karin von Welck. Wann der Antrag gestellt werden soll, sei jedoch noch offen. Die Einzigartigkeit des seit 1960 unter Denkmalschutz stehenden Areals liegt auch darin, dass hier sephardische (von der iberischen Halbinsel stammende) und aschkenasische Juden (aus Mittel- und Osteuropa) nebeneinander beerdigt sind.

Frommet Mendelssohn, die Frau des Philosophen Moses Mendelssohn, liegt hier begraben, ebenso wie Samson Heine, der Vater des Dichters Heinrich Heine. Und viele berühmte Rabbinernamen erinnern an die einst bedeutenden Synagogen Altonas. Der heutige Hamburger Stadtteil gehörte bis 1864 zu Dänemark, das den von der iberischen Halbinsel vertriebenen Juden weitreichende Privilegien gewährte.

Die Stiftung Denkmalpflege koordiniert ein umfassendes Projekt zur Erforschung und Dokumentation des Friedhofs, der Ende des 19. Jahrhunderts stillgelegt wurde. Das neue Empfangsgebäude erinnert an den Rabbiner und Historiker Eduard Jecheskel Duckesz. "Mit der Erforschung des Gräberfeldes setzen wir seine Arbeit fort", sagte von Beust. Eduard Jecheskel Duckesz war 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden. Fast 10.000 Juden in und aus Hamburg wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungen. (nal/dpa)

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