Hamburger Ausstellung : "Kleopatra und die Cäsaren"

Kaum eine Frau der Weltgeschichte hat die Fantasie nachfolgender Generationen so angeregt wie die ägyptische Königin Kleopatra. Eine Hamburger Ausstellung will ab Samstag den Blick von der schillernden Figur zurück auf die historische Persönlichkeit lenken.

Hamburg - Kleopatra (69-30 v.Chr.) war staatsmännische Herrscherin, Mutter, Femme fatale. Von den mächtigsten Männern ihrer Zeit wurde Kleopatra verehrt und gehasst. Sie war die Geliebte von Cäsar und Marc Anton. Augustus sah in ihr eine Bedrohung für das römische Reich und trieb sie in den Tod. Dabei stelle sich die Frage, wie mächtig die Königin vom Nil wirklich war.

Der Archäologe Bernard Andreae stellt in der von ihm erarbeiteten Schau im Hamburger Bucerius-Kunst-Forum neue Thesen zur Kleopatra-Forschung zur Diskussion. Im Mittelpunkt steht eine der berühmtesten Statuen der Antike, die so genannte Venus vom Esquilin aus den Kapitolinischen Museen in Rom. Andreae nimmt die Herausforderung des italienischen Philologen Licinio Glori an, der 1955 die Hypothese aufstellte, diese Venus zeige Kleopatra. Andreae argumentiert nun, dass die Venus vom Esquilin eine exakte Kopie der Kleopatra aus dem 46 v.Chr. geweihten Venustempel des Gaius Julius Cäsar sei. Kleopatra wurde von ihrem Volk mit der Liebesgöttin Isis gleichgesetzt. Wenn Cäsar ihr Ebenbild in Rom im Tempel der römischen Liebesgöttin Venus platzieren ließ, so heißt das, dass er sie ihr gleichstellte, sagte Andreae.

Skulpturen aus Italien und Ägypten

Leihgaben der Kapitolinischen Museen und weiterer Sammlungen ermöglichen die Gegenüberstellung der Venus vom Esquilin mit einer Gruppe von Antiken, die Personen aus dem Lebensumfeld Kleopatras wiedergeben. Neben Cäsar und Kaisarion, dem Sohn von Cäsar und Kleopatra, zeigt die Ausstellung Porträts von Marc Anton und Maecenas, dem engsten Berater des Kaisers Augustus. Auch die Kinder von Kleopatra und Marcus Antonius sind hier in zum Teil neu identifizierten Bildnissen zu sehen, ebenso wie die Feinde der Pharaonin, allen voran Octavian, der als Kaiser Augustus in die Geschichte einging.

In Ergänzung zu den Skulpturen widmet sich der zweite Teil der Hamburger Ausstellung der Kleopatra-Deutung in der Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts. Rund 20 Werke, darunter Gemälde von Jan Steen, Johann Heinrich Tischbein, Angelica Kauffmann und Hans Makart, zeigen, wie die Künstler ein jeweils für ihre Zeit gültiges Kleopatra-Bild schufen. Kleopatra starb durch Selbstmord. Die Wahl der Waffe und der genaue Zeitpunkt sind nicht überliefert. (tso/ddp)

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