Kultur : Hamburger Bahnhof soll umgebaut werden

ULRICH CLEWING

Das Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof steht offenbar vor einschneidenden baulichen Veränderungen.Nach Informationen des Tagesspiegel plant die Deutsche Bahn AG, die vor zwei Jahren erst eingeweihte und kürzlich mit einer neuen Klimaanlage für 300000 DM ausgestattete sogenannte Ehrenhofgalerie Ost umzubauen, um darin ein firmeneigenes Gästehaus einzurichten.Dazu müßte das Unternehmen, das seine Zentrale nach Berlin verlegt, allerdings zuerst das im Besitz des Bundes befindliche Grundstück an der Invalidenstraße erwerben.Die Rede ist von einer Kaufsumme in Höhe von 26 Millionen Mark.Falls sich das Land Berlin mit der Bahn AG auf einen Umbau der Ehrenhofgalerie einigt, könnte es im Gegenzug die Liegenschaft als Schenkung erhalten, so Kulturstaatssekretär Lutz von Pufendorf gestern.Derzeit verfügt Berlin lediglich über eine Nutzungsvereinbarung mit dem Eigentümer des Grundstücks.

Angeblich gibt es bereits einen ersten Entwurf des Vertragswerks.Wann das Vorhaben in Angriff genommen werden soll, ist dagegen noch unklar.Die einen Quellen sprechen davon, daß mit den Bauarbeiten begonnen wird, sobald die Ausstellung "Sensation" mit junger englischer Kunst vorüber ist, Ende Januar nächsten Jahres.Dem widerspricht Lutz von Pufendorf: Man wolle mit der Umgestaltung warten, bis der Westflügel vollendet sei.Gegenwärtig existiert dieser Teil des Hamburger Bahnhofs nur auf dem Papier, da für die Realisierung bisher die Mittel fehlten.Auch in diesem Punkt erhofft sich von Pufendorf Unterstützung von Seiten der Bahn.

Die Pläne der Bahn AG, eine Kooperation der Berliner Architektenbüros R.W.Ernst und Lehmann und Partner, beinhalten den Umbau der Ehrenhofgalerie Ost auf allen drei Stockwerken.Im Untergeschoß sollen Lager- und Personalräume entstehen, im Erdgeschoß sind zwei Bars, ein Rauchsalon sowie ein Bankettsaal vorgesehen, im Obergeschoß befinden sich - laut dem dieser Zeitung vorliegenden Entwurf - ein "Direktionsbüro", eine Bibliothek, ein Kaminzimmer und sechs Gästesuiten.Im Moment nutzt das Museum für Gegenwart die östliche Ehrenhofgalerie hauptsächlich als Ort für künstlerische Veranstaltungen aller Art.

Während die Stiftung Preußischer Kulturbesitz anscheinend bereit ist, die Umbaupläne als fait accompli hinzunehmen, hat das Ansinnen der Bahn AG die Freunde der Nationalgalerie in Aufregung versetzt.Dort befürchtet man, daß dem unverwechselbaren Charakter des Hamburger Bahnhofs als Museum für zeitgenössische Kunst irreparabler Schaden zugefügt werde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben