Kultur : Hamburgs Thalia Theater und Berlins DT Kritiker küren

die Spitzen der Szene

Wie im letzten Jahr ist das Thalia in Hamburg zum „Theater des Jahres“ gewählt worden. Keine Überraschung, denn die von Ulrich Khuon geleitete Bühne hatte bereits mit drei von zehn Einladungen beim diesjährigen Berliner Theatertreffen dominiert. Auf dem Treppchen landeten auch zwei Berliner Bühnen: Silber für Armin Petras’ frisch gestartetes Maxim Gorki und Bronze für Bernd Wilms’ Deutsches Theater. Nicht eingeladen zum Theatertreffen wurde Dimiter Got- scheffs Kurzversion der antiken „Perser“ vom Deutschen Theater – nun haben die von der Zeitschrift „Theater heute“ befragten Kritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz „Die Perser“ zur Aufführung des Jahres gewählt. Auch auf dem 2. Platz eine DT-Inszenierung, Michael Thalheimers Short Cut der „Orestie“, zusammen mit Nicolas Stemanns Uraufführung von Elfriede Jelineks „Ulrike Maria Stuart“ am Thalia Theater.

Jelineks Schiller-RAF-Neudichtung wurde zugleich zum besten deutschsprachigen Stück gewählt, und die meisten Stimmen für eine ausländische Vorlage bekam die französische Dramatikerin Yasmina Reza für ihre Komödie „Der Gott des Gemetzels“. Noch weiter freuen kann sich Ulrich Khuon, der 2009 von Hamburg als Wilms-Nachfolger ans Deutsche Theater wechselt, wo auch Dimiter Gotscheff sein Hausregisseur bleibt. In Gotscheffs „Tartuffe“-Inszenierung am Hamburger Thalia machte Judith Rosmair eine Nebenrolle zum Hauptereignis, was ihr die Kür zur Schauspielerin des Jahres einbrachte. Und die meisten Voten als männlicher Akteur erhielt Joachim Meyerhoff als Wiener Hamlet und für eine weitere Shakespeare-Rolle in Wien.

Die ganze Hitparade ist nachzulesen im Jahresheft von „Theater heute“ (176 Seiten, 19, 90 €), wo sich neben Gesprächen, Porträts und Aufsätzen auch ein kurzer Gagen-Report findet. Am besten zahlt die Wiener Burg, wo Regisseure wie Luc Bondy wohl 50 000 € pro Inszenierung erhalten. Eine Regie am Thalia bringt maximal 30 000 €, am Maxim Gorki 15000. In Halberstadt verdient der Intendant etwa 60 000 € im Jahr, am BE Claus Peymann über 200 000. Ein Schauspieler an der Schaubühne erhält höchstens 4500 € im Monat, am Thalia und an den Münchner Kammerspielen 6000, in Weimar und Ulm nur die Hälfte. Meistens ist es viel weniger, als viele denken. P.v.B.

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