Kultur : Hammer gegen Marke

No Logo: Junge Kunst aus Spanien in Berlin

Michael Schulz

Touristen, Erasmus-Studenten, Übergesiedelte – Spanier sind aus der deutschen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken. Da ist die Entscheidung des spanischen Kulturministeriums nur konsequent, junge spanische Kunst in Berlin zu zeigen. Im Rahmen der Reihe „Neue urbane Kulturen in Spanien“ wird neben Filmvorführungen, Vorträgen und Diskussionsrunden an zwei Ausstellungsorten auch Bildende Kunst präsentiert: Zum einen im alten Tagesspiegel-Gebäude unter dem Titel „Ink and Movement“ (Potsdamer Str. 85, bis 29. 8.), zum anderen im Freien Museum Berlin (Potsdamer Str. 91, bis 15. 8.) in Form zeitgenössischer Zeichnungen unter dem Titel „Kein Tag ohne Strich“. Beide Ausstellungen decken von Graffiti über Comic bis hin zu Pop-Art viele großstädtische Kunststile ab.

Bei „Ink and Movement“ beziehen die Künstler Okuda, Satone und Spok den Ausstellungsraum in ihre Werke mit ein, trugen einige Bilder direkt auf die Wand auf. Die Gemälde greifen Großstadtszenarien auf: Hochhausschluchten, Bahnstationen und Verkehrschaos.

Motive, die sich ebenfalls bei den zeitgenössischen Zeichnungen wiederfinden. Luis Perez Calvo erschuf Großstadt-Ansichten im Stil US-amerikanischer Comics der 50er: Städte, die mit Werbeplakaten überladen sind. Um die Dekonstruktion der Werbe-Ikonografie geht es dem Künstlerduos PSJM. Zwei Männer zerhämmern ein Ikea-Logo, ein anderer schlägt Furchen in den Schriftzug der Modefirma Zara, Firmenlogos werden von einem Podest gestürzt. Die Figuren erinnern an kommunistische Propaganda aus dem frühen 20. Jahrhundert – Kapitalismuskritik reloaded.

„Ink and Movement“ und „Kein Tag ohne Strich“ sind nicht nur Reflexionen über modernes urbanes Leben, sondern führen auch eindrucksvoll vor Augen, wie überaus lebendig die spanische Gegenwartskunst ist. Michael Schulz

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